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5 Gründe, warum Hummels wieder für Deutschland spielen muss

Mats Hummels
Foto: Ververidis Vasilis / Shutterstock.com

Gemeinsam mit Jerome Boateng und Thomas Müller wurde Mats Hummels im vergangenen Winter von Joachim Löw aus der deutschen Nationalmannschaft gestrichen. Nicht nur für eine Länderspielreise oder vorerst, sondern dauerhaft, ohne erneutes Abwägen, wie Löw verlauten ließ. Dass aber spätestens jetzt die Zeit reif ist, doch noch einmal ein paar Gedanken an zumindest eine Rückholaktion zu verschwenden liegt an den herausragenden Leistungen eines der drei Verschmähten: Mats Hummels. Aber nicht nur, wie die vergangene Länderspielpause offenbarte.

Grund 1: Hummels ist zurück in der Weltklasse

Spätestens das Spiel zum Champions League Auftakt gegen den großen FC Barcelona hat wieder gezeigt, welche Klasse Mats Hummels hat. Nachdem er selbst in einer schwachen Hinrunde der Saison 2018/19 beim FC Bayern einige Fehler eingestreut hatte, steigerte er sich in der vergangenen Rückserie bereits extrem und erreichte absolutes Top-Niveau. Nicht zuletzt ihm kann es der FC Bayern München verdanken, dass sie den eklatanten Rückstand aus der Winterpause noch auf den BVB aufholen konnten.

Dann kam im Sommer die überraschende (und kostspielige) Rückkehr zu Borussia Dortmund. Und spätestens gegen den FC Barcelona zeigte sich, dass die BVB-Verantwortlichen damit alles richtig gemacht haben. Hummels beeindruckte mit einer sagenhaften Zweikampfquote von 100 Prozent und das ohne ein einziges Foul zu begehen. Stolze 87 Prozent seiner Zuspiele brachte er an den Mann. Dabei waren dies bei weitem nicht nur Sicherheitspässe quer zum Mitspieler oder zurück zum Torhüter, sondern auch viele öffnende, vertikale Bälle.

Auch auf die fehlende Qualität der gegnerischen Offensive konnte man Hummels’ Gala nicht schieben. Schließlich standen ihm in Luis Suarez und Antoine Griezmann zwei der gefährlichsten Stürmer weltweit der vergangenen Jahre gegenüber. Mit Ansu Fati stürmte DAS Supertalent des FC Barcelona. Und ein gewisser Lionel Messi wurde noch eingewechselt. Die Bilanz der Barca-Offensive: magere sieben Torschüsse, kein Treffer. Hummels stabilisierte die Dortmunder Hintermannschaft gegen eine der stärksten Angriffsreihen der Welt.

Grund 2: Fehlende Schnelligkeit? Hummels hat Auge

Häufig wird Hummels vorgeworfen, er sei schlicht zu langsam für das allerhöchste Niveau. Doch der mittlerweile 30-Jährige antizipiert die gegnerischen Angriffe mittlerweile so gekonnt, dass er selten in Laufduelle gehen muss. Deutlich schnellere Spieler kocht er durch gutes Stellungsspiel ab. Außerdem hat der BVB Hummels geschickt in den Abwehrverbund eingebaut. Neben ihm agieren beispielsweise mit Achraf Hakimi oder Manuel Akanji schnellere Verteidiger. Mit Niklas Süle oder den Außenverteidigern aus Leipzig Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann hat auch Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft Personal, dass von Hummels dirigiert Lücken zulaufen kann. Und der erfahrene Hummels könnte nicht nur sich mit viel Übersicht positionieren, sondern auch die komplette deutsche Hintermannschaft.

Grund 3: Hummels’ Spieleröffnung übertrumpft seine deutschen Konkurrenten

Berühmt geworden ist Mats Hummels mit seinen vertikalen Pässe durch die gegnerischen Mittelfeld- oder gar Abwehrreihen. Auch wenn diese Spielweise teils riskant ist, eröffnet sie dem Spiel seiner Mannschaft viele Freiheiten und Möglichkeiten. Das war in München besonders in der starken Rückrunde auffällig, das zeigt sich nun auch schon wieder beim BVB. Und das deutsche Mittelfeld könnte so entlastet werden. Gegen die Niederlande agierte Joachim Löw mit den beiden passstarken, aber wenig dynamischen Sechsern Joshua Kimmich und Toni Kroos. Mit einem so kreativen und passsicheren Innenverteidiger wie Mats Hummels könnte Löw das Mittelfeld mit einem anderen Spielertypen, der dynamischer auch die Offensive sucht anreichern. Ilkay Gündogan oder Kai Havertz würden sich dafür ebenso anbieten wie Leon Goretzka.

Grund 4: Ohne Hummels fehlt den Jungen Ordnung

Niklas Süle, Antonio Rüdiger oder Jonathan Tah sind hervorragende Beispiele für moderne Innenverteidiger. Schnell, zweikampfstark, ohne allzu große Aggressivität oder Aussetzer. Deren Manko: fehlende Erfahrung. In Sachen Positionsspiel, taktischer Reife und eben Erfahrung und Mentatlität unterstützt Hummels seine Nebenmänner und macht diese besser.

Diese Stärke wäre auch in der Nationalmannschaft dringend gefragt. Den drei Innenverteidigern des Spiels gegen die Niederlande (2:4) – Jonathan Tah, Niklas Süle und Matthias Ginter – fehlte oft Ruhe und Übersicht, in der Defensivarbeit wie im Aufbauspiel. Bestes Beispiel ist Niklas Süle, der in jungem Alter beim FC Bayern in der vergangenen Saison überraschend unaufgeregt seinen Stammplatz eroberte. Extrem profitierte er dabei von seinem erfahrenen Nebenmann, der der Hintermannschaft Ordnung verlieh. Dessen Name: Mats Hummels.

Grund 5: Hummels wäre hochmotiviert, WM vergessen zu machen

Weltmeister, U21-Europameister, sechs mal deutscher Meister, zwei Mal DFB-Pokal-Sieger – viel erfolgreicher als Mats Hummels kann man nicht sein. Umso schmerzhafter dürfte für ihn die Tatsache sein, dass sein letzter großer Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft das blamable Ausscheiden in der Vorrunde der WM 2018 gewesen sein soll. Während verdiente Nationalspieler wie Philipp Lahm und Miroslav Klose ihren Rücktritt nach dem WM-Gewinn 2014 verkünden konnten und Bastian Schweinsteiger immerhin nach einem EM-Halbfinale abtrat, sollte Hummels nach der schlechtesten WM der deutschen Fußballgeschichte aussortiert werden? Eigentlich unwürdig für so einen verdienten Profi.

Umso größer dürfte der Ehrgeiz Hummels’ sein, seiner Naitonalmannschaftskarriere noch ein erfolgreicheres Kapitel hinzuzufügen. Gegenüber der “Bild” und der “Sportbild” ließ Mats Hummels mehr als zweideutig durchscheinen: “Bisher habe ich in meinem Leben immer abgehoben, wenn Jogi Löw angerufen hat. Vermutlich würde ich das auch nächstes Mal machen.”