0:4 in München – 4 Gründe für die Blamage des BVB

Jadon Sancho
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Hoffnungsvoll war der BVB nach den zuletzt positiven Ergebnissen nach München gereist. 2:1 im Pokal gegen Gladbach, 3:0 in der Liga gegen Wolfsburg, das irre 3:2-Comeback gegen Inter Mailand in der Champions League. All das gab Rückenwind für die Auswärtsfahrt zum FC Bayern. Dort wurde es einmal mehr bitter. Hoffnungslos unterlegen war der BVB. Es fehlte eigentlich an allem, was man für einen Bundesliga-Sieg benötigt. Vier besonders krasse Fehler:

Grund 1: Fehlende Fitness

Jadon Sancho und Marco Reus standen die ganze Woche über auf der Kippe. Können die beiden wohl besten Dortmunder Fußballer gegen den FC Bayern auflaufen oder fallen sie aus? Jadon Sancho schaffte es in die Startformation. Marco Reus musste zunächst auf der Bank Platz neben. Ebenfalls nur als Auswechselspieler dabei: Dortmunds einziger echter Stürmer Paco Alcacer. So begann der BVB mit Sancho, Thorgan Hazard, Julian Brandt und Mario Götze in der Offensive.

Zu allem Überfluss musste Jadon Sancho nach einer guten halben Stunde bereits wieder ausgewechselt werden. „Sancho war zwei Tage verletzt, er hat gestern trainiert. Doch es war schwer für ihn, das hat man gesehen“, erklärte Trainer Lucien Favre die Maßnahme. „Verletzt war er aber nicht mehr.“ Fit aber eben auch nicht. Während seines Kurzeinsatzes ließ Sancho sämtliche Spritzigkeit und Finesse vermissen, die sein Spiel eigentlich prägen. Ballverlust reihte sich an Ballverlust. Seine Auswechslung war eine Erlösung. Doch muss dann die Frage gestattet sein: Warum stand er überhaupt in der Startelf? Muss Lucien Favre sein Personal und deren Fitnessstand nicht gut genug einschätzen können, um in einem Spitzenspiel nur auf wirklich spielfitte Profis zu setzen?

Grund 2: Fehlende Durchschlagskraft

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Die Offensive der Dortmunder war im Spiel gegen den FC Bayern schlicht nicht existent. Zwei kümmerliche Abschlüsse brachte der BVB zusammen. Kein einziger davon ging aufs Tor von Manuel Neuer. Dementsprechend beschäftsigungslos war der Nationaltorhüter. Eine einzige echte Torchance verzeichnete Schwarz-Gelb. Die wurde von Paco Alcacer fast slapstickhaft vergeben – sinnbildlich für den BVB-Auftritt.

Nun kann man die fehlende offensive Dynamik und Durchschlagskraft dem Verletzungspech zuschreiben. Doch haben es die Dortmunder Verantwortlichen hier im Sommer auch eindeutig verpasst, für einen tieferen Kader zu sorgen. Dass Marco Reus verletzungsanfällig ist, sollte man mittlerweile gemerkt haben. Für ihn gibt es natürlich keinen qualitativ gleichwertigen Ersatz, aber mit Julian Brandt immerhin jemanden der seine Rolle übernehmen kann. Paco Alcacer, ebenfalls selten komplett fit und beschwerdefrei, ist dagegen der einzige Angreifer im Dortmunder Kader. Dem Vernehmen nach wollte Trainer Lucien Favre keinen zusätzlichen Stürmer im Sommer verpflichten. Ein robuster Strafraumstürmer passe nicht zu seiner Spielidee. Diese Einstellung rächt sich nun. Nur mit Mario Götze oder Julian Brandt lässt sich eine routinierte Defensive nicht knacken. Bezeichnend: der zweitgefährlichste Torschütze nach Alcacer ist in dieser Saison ein Abwehrspieler – Achraf Hakimi.

Die Verantwortlichen in Dortmund werden sich im Winter sicherlich nochmals auf die Suche nach einem neuen Stürmer machen. Im Sportwetten Forum werden bereits seit Wochen zahlreiche Namen heiß diskutiert.

Grund 3: Fehlende Aggressivität

So schlimm dieses Zeugnis für die Dortmunder Profis ist, in Sachen Einstellung können sie sich eine Scheibe von Bayern-Profis wie Leon Goretzka oder Joshua Kimmich abschneiden. Giftig gingen die in die Zweikämpfe. Ihre Körpersprache zeugte von unbedingtem Siegeswillen. Dass dabei der Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick eine Rolle gespielt haben könnte, war bereits vor der Partie eine schwarz-gelbe Befürchtung. Ganz anders die Dortmunder. Hängende Schultern, zaghaftes Auftreten. Selbst Spieler wie Axel Witsel, die eigentlich vorangehen, unterliefen haarsträubende Ballverluste tief in der eigenen Hälfte.

Dass ausgerechnet Mats Hummels das Eigentor zum 0:4 unterlief ist eine besonders bittere Note dieses vermeintlichen Spitzenspiels. Der ehemalige Münchnern Innenverteidiger war der einzige Feldspieler der Dortmunder, der sich in irgendeiner Weise gegen das Debakel wehren zu wollen schien.

Grund 4: Fehlende Spielideen

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Somit ist das vernichtende Urteil Michael Zorcs keinesfalls unberechtigt. „Das war überhaupt kein Fußball, um ehrlich zu sein. Ich bin konsterniert“, zeigte sich der Dortmunder Sportdirektor nach der Partie schockiert. „Bayern München waren in allen Belangen überlegen und besser. Bayern hat nach einer Viertelstunde komplett das Kommando übernommen und wir haben im Prinzip alles vermissen lassen. Deswegen haben die Bayern auch in dieser Höhe verdient gewonnen.“ Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

Eine klare Ansage, die auch in Richtung Lucien Favre gehen wird. Der Schweizer Trainer war vor der Partie am „Sky“-Mikrofon nach seinem Matchplan gefragt worden. „Wir müssen clever spielen. Clever verteidigen. Und clever angreifen“, mehr war dem Schweizer nicht eingefallen. Koketterie vor dem Spitzenspiel? Sich (15 Minuten vor Spielbeginn) nicht in die Karten schauen lassen wollen? Möglich. Doch die Sehnsucht der Dortmunder Anhänger nach einem Menschenfänger, nach einem Trainer der Marke Klopp, nach einem wie David Wagner, der ausgerechnet bei Schalke aktuell erfolgreich arbeitet, ist da nur allzu verständlich.

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