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Dreierkette beim BVB: Dauerhafte Lösung oder nur ein Lückenfüller?

Niko Kovac
Foto: IMAGO

Sie war lange kein Thema – jetzt ist sie plötzlich wieder da: Die Dreier- bzw. Fünferkette ist zurück beim BVB. Wird diese zu einer Dauerlösung?



Unter Nuri Sahin spielte der BVB meist mit Viererkette, unter Edin Terzic wurde zwischen den Systemen hin- und hergewechselt. Nun bringt Niko Kovac frischen Wind – und mit ihm kehrt auch eine alte Struktur zurück. Gegen Mainz funktionierte das System hervorragend. Die Frage ist nur: War das eine punktuelle Maßnahme oder der Beginn einer neuen Dortmunder Stabilität?

Fakt ist: Die Dreierkette bringt Ordnung in die Defensive – ein Bereich, der beim BVB in dieser Saison zu oft wackelte. Mit Emre Can als zentralem Organisator, Nico Schlotterbeck als linker Aufbauspieler und Anton oder Süle als rechter Part wirkt das Konstrukt plötzlich stabil, gut balanciert und vor allem: mutig. Denn die Absicherung durch drei Innenverteidiger erlaubt auch den Wingbacks, höher zu agieren. Riasson, Benzebaini oder Svensson bekommen so deutlich mehr Offensivfreiraum – ohne dass es defensiv gleich brennt.

Kovac kann Dreierkette

Auffällig ist auch: Kovac bringt die Idee mit voller Überzeugung. Schon bei Eintracht Frankfurt führte er mit diesem System die SGE zum Pokalsieg 2018. Auch im Training wird die Formation intensiv einstudiert, das Positionsspiel angepasst. Besonders im Spielaufbau bietet die Dreierkette Vorteile: Can lässt sich fallen, öffnet Räume, verteilt die Bälle und bringt Übersicht – Qualitäten, die er im Mittelfeld zuletzt nicht immer einbringen konnte.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Sobald ein Schlüsselspieler wie Schlotterbeck (gesperrt gegen Freiburg) fehlt, bricht das System leicht aus dem Gleichgewicht. Ein Linksfuß auf der linken Halbposition fehlt, Süle oder Anton müssen ausweichen – die Dynamik leidet. Außerdem fehlt es dem Kader an Tiefe auf der linken Schiene, wenn Benzebaini nicht fit ist. Und: Spieler wie Julian Brandt oder Marco Reus verlieren in diesem Setup ihre besten Positionen, weil es kaum Raum für klassische Zehner gibt.

Noch ist nicht klar, ob die Dreierkette ein langfristiger Fixpunkt wird oder nur die Antwort auf eine akute Lage. Kovac selbst ist pragmatisch, stellt nach Gegner und Personal auf. Aber das System hat Potenzial – vor allem, wenn die Balance stimmt. Der BVB könnte endlich eine Struktur gefunden haben, die defensive Stabilität bringt und offensive Variabilität ermöglicht.

Spannend wird sein, wie Kovac mit der Rückkehr von Spielern wie Schlotterbeck, Guirassy oder auch eventuell mit einem fitteren Chukwuemeka plant. Klar ist: Die Dreierkette lebt – und sie könnte mehr sein als nur eine taktische Notlösung. Vielleicht ist sie der Beginn einer neuen Ära.