Ewald Lienen über Fehlerkultur und vermeintlich fehlende Attraktivität des BVB-Spiels

Trotz seiner vielen Stationen im Profifußball als Trainer und als Spieler war Bundesliga-Urgestein Ewald Lienen nie bei Borussia Dortmund beschäftigt. Das hält ihn nicht davon ab, öffentliche Einschätzungen zu den jüngsten Entwicklungen beim BVB abzugeben, die aktuell wie folgt ausfallen.

Im Zusammenspiel mit TV-Kommentator Michael Born äußert sich Ewald Lienen schon seit Jahren in seinem eigenen Podcast „Der Sechzehner“ zu allen Themen rund um den – vor allem – deutschen Fußball. In seinem Fall darf man von einem recht umfassenden Erfahrungsschatz ausgehen, anhand dessen er die Ereignisse reflektiert.

Beim BVB hatte Mitte Dezember für Trubel gesorgt, dass Nico Schlotterbeck im Anschluss an das enttäuschende 2:2 gegen FK Bodö/Glimt vor dem Mikro Kollegenschelte betrieb – und dies für die Verhältnisse in der Branche recht harsch. Die Einwechselspieler, die erst 30 Minuten vor Schluss eingewechselt wurden, hätten zu wenig Engagement gezeigt. Schlotterbeck erwarte bei solch kurzer Einsatzzeit „eine halbe Stunde Vollgas“. Gemäß Michael Born waren damit vor allem Karim Adeyemi und Serhou Guirassy gemeint, gleichwohl auch noch weitere Spieler spät eingewechselt wurden.

Lienen kommentiert dies dergestalt, dass solche Kritik grundsätzlich eigentlich immer intern vorgebracht werden sollte. Wenn es dann aber wie in diesem Fall einmal doch öffentlich geschieht, sei dies an sich zu verschmerzen. Fehler passierten eben nicht nur im Spiel auf dem Platz, sondern auch daneben. Wichtig sei, wie mit dieser Kritik umgegangen werde, welche Fehler- und Kommunikationskultur beim BVB vorherrsche.

Nico Schlotterbeck
Foto: IMAGO

Lienen: Fehlerkultur beim BVB entscheidend

Die unbestreitbar vorhandenen Missstände, führt Lienen aus, in der Defensivarbeit von Borussia Dortmund könnten nur behoben werden, wenn im Anschluss an diese Schelte entlang der Sache diskutiert werde. Insofern sei Schlotterbecks Kritik vielleicht im Tonfall übertrieben gewesen. Nur die Auseinandersetzung mit dem Thema bringe die Mannschaft aber weiter.

Kritik, dass der BVB in den letzten Monaten vor allem „langweiligen“ Fußball zeige, kann Lienen nicht nachvollziehen. Was er vom BVB unter Niko Kovac sehe, sei doch wesentlich attraktiver und vor allem erfolgreicher als es in der Zeit vor seiner Verpflichtung der Fall war. Die Erwartungshaltung sei bei Borussia Dortmund womöglich wegen der vielen geholten Titel und dem erst kürzlich erreichten Finale der Champions League unangemessen hoch. Ähnliches erlebe er bei Clubs wie dem HSV oder dem 1. FC Köln, wo man sich gerne ausschließlich an die besonders erfolgreichen Zeiten erinnert.

Zweifelllos aber habe Kovac das Spiel des BVB verbessert, was sich auch an Details wie dem verbesserten Abwehrverhalten von Karim Adeyemi festmachen lasse. Zumal die reine Ausbeute – nur eine Niederlage in der Bundesliga, Chance auf die ersten Acht in der Champions League – kaum Anlass zu Kritik böte, urteilt Lienen abschließend.

Diesen Artikel teilen