„Weiß nicht, ob das hilfreich ist“: BVB-Stars kritisieren Fan-Pfiffe

Borussia Dortmund gewinnt zwar 3:0 gegen Werder Bremen, wird zur Halbzeit aber dennoch ausgepfiffen. Die Reaktionen der Stars und von Trainer Niko Kovac zeigen, wie groß die Diskrepanz zwischen Anspruch und Leistung aktuell ist.

Ein 3:0-Sieg zum Abschluss der Hinrunde, Platz zwei in der Tabelle und 36 Punkte – sportlich steht Borussia Dortmund so gut da wie seit Jahren nicht mehr. Und doch prägten beim Heimspiel gegen Werder Bremen nicht nur die Tore das Bild, sondern vor allem die lauten Pfiffe zur Halbzeit. Trotz 1:0-Führung quittierten viele Fans einen Auftritt, der als ideenlos und kontrollarm empfunden wurde. Das Spannungsfeld zwischen Ergebnissen und Spielweise beschäftigt den Klub mehr denn je.

Marcel Sabitzer, der später auf 2:0 stellte, zeigte Verständnis für den Frust, hinterfragte aber den Zeitpunkt der Kritik: „Es steht aber 1:0 zur Halbzeit, da weiß ich nicht, ob das hilfreich ist“, sagte der Österreicher nach dem Abpfiff. Torhüter Gregor Kobel fand ebenfalls klare Worte zum Stimmungsbild: „Wenn du als Spieler auf dem Platz stehst, ist es nie schön, wenn Pfiffe kommen. Wenn du in Führung bist, noch weniger.“

Trainer Niko Kovac stellte sich nach dem Spiel schützend vor die Anhänger – und zugleich hinter die Analyse: „Die Pfiffe, die zu hören waren, waren absolut berechtigt. Ich war auch nicht zufrieden, das habe ich der Mannschaft auch gesagt.“

BVB-Saison im Spannungsfeld: Ergebnisse stark, Spielweise umstritten

Für den Coach ist die Diskussion symptomatisch für die Dortmunder Saison: Die Resultate stimmen, die Darbietungen nicht immer. Während der BVB defensiv stabil steht und nur eine Bundesliga-Niederlage hinnehmen musste, bleibt der Wunsch nach mehr Dominanz und Kreativität.

Nach der Pause lieferte das Team die passende sportliche Antwort. Dortmund erhöhte den Druck, spielte zielstrebiger und zog durch Treffer von Sabitzer und Co. davon. Der 3:0-Erfolg unterstrich die Konstanz, mit der die Schwarz-Gelben durch die Hinrunde gekommen sind – neunmal zu Null, nur 15 Gegentore, zweitbeste Bilanz seit Jahren.

Kovac mahnt dennoch zur Differenzierung: Ergebnisse seien die Basis, die Leistung die Kür. Oder wie er es formuliert: „Wir reden über A- oder B-Note, aber wir sind Fußballer. Es geht in erster Linie um die A-Note, die B-Note kommt on top.“ Der BVB hat also geliefert – und zugleich neue Maßstäbe an sich selbst gesetzt. Die Pfiffe zur Halbzeit waren kein Zeichen von Krise, sondern von Anspruch. Und genau daran wird sich Dortmund auch in der Rückrunde messen lassen müssen.

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