Am Tag nach dem 0:2 von Borussia Dortmund bei Tottenham Hotspur war die Presse entsetzt, schrieb von „desolater“ erster Halbzeit und davon, dass es schwer sei, Positives aus dem nur knapp vermiedenen Desaster zu ziehen. In der „Welt“ wird Oliver Müller grundsätzlicher bei der Betrachtung der Auftritte des BVB in dieser Saison.
Nach dem 2:2 gegen FK Bodö/Glimt im eigenen Stadion und dem mehr als verdienten 0:2 beim zuvor arg kriselnden Tottenham hat sich der BVB seiner guten Ausgangslage für das Weiterkommen in der Champions League beraubt. Noch ist nicht völlig ausgeschlossen, dass man es unter die ersten Acht schafft und direkt ins Achtelfinale einzieht. Doch allzu wahrscheinlich ist dies nicht mehr. Das hätte die Mannschaft von Niko Kovac auch anders regeln können, doch dafür fehlte es ihr „an Entschlossenheit, an Konzentration, an Professionalität“, leitet Oliver Müller in der „Welt“ seine generellen Betrachtungen zu den Leistungen des BVB ein.
Die „Halbzeit des Grauens“, wie Müller den ersten Abschnitt aus Dortmunder Warte tituliert, sei durchaus vermeidbar gewesen, wenn alle elf Spieler eben diese Aspekte bei ihrer Arbeit an den Tag gelegt hätten. „Die Borussen konnten nur 36 Prozent ihrer Zweikämpfe gewinnen, sie brachten keinen einzigen Torschuss zustande, keine Flanke an den Mann. Die Passquote lag bei unter 80 Prozent. Das sind unterirdische Werte für ein Champions League-Spiel.“ Wer so auftrete, dürfe sich nicht wundern, dass es nicht gelingt, den so erhofften „nächsten Schritt“ in Bezug auf das gezeigte Niveau zu gehen.

Welt: BVB braucht Spieler mit mehr Qualität
Zwar habe man sich nach der ausgewachsenen Krise unter Trainer Nuri Sahin stabilisiert. Um die Bayern zu jagen oder ohne Zittern in die CL-Playoffs einzuziehen, sei es aber zu wenig. Und das wiederum läge nicht daran, dass Niko Kovac eine Mannschaft nicht weiterentwickeln könne. Die Ursache dessen ist für Müller schlicht, dass „die Mannschaft zu mehr nicht in der Lage ist“. Die Liste jener Spieler, die sich zu viele Fehler leisten, sei beim BVB zu lang. Die Beispiele Julian Brandt und Karim Adeyemi seien da nur zwei von weiteren möglichen.
Es sei zwar angesichts des klaren Status als Nr. 2 der Bundesliga nicht alles schlecht bei Borussia Dortmund. Doch abschließend stellt Müller fest: „Wenn Borussia Dortmund ernsthaft plant, sich zu entwickeln, auch mal wieder richtig anzugreifen, (…) muss die Mannschaft verstärkt werden. Dann braucht es neue Spieler – die über mehr Qualität verfügen, als die, die da sind.“

