Nach Nico Schlotterbecks offensiver Meister-Ansage meldet sich Oliver Kahn zu Wort. Der Ex-Bayern-Boss stärkt dem BVB-Profi den Rücken – und richtet zugleich eine deutliche Warnung an Borussia Dortmund.
Darf Borussia Dortmund wieder vom Titel träumen? Nach 21 Spieltagen beträgt der Rückstand auf den FC Bayern nur noch sechs Punkte – und beim BVB wächst der Glaube, im Meisterrennen noch einmal eingreifen zu können. Vor allem Nico Schlotterbeck preschte zuletzt offensiv vor. Rückendeckung erhält der Nationalverteidiger nun ausgerechnet von Ex-Bayern-Boss Oliver Kahn – verbunden mit einer deutlichen Mahnung an die Dortmunder.
„Man muss auch mal den Anspruch haben als BVB, auch mal den Fans zu sagen, wir wollen Meister werden“, hatte Schlotterbeck nach dem 3:2-Erfolg gegen Heidenheim gefordert. Sechs Punkte seien aufholbar, nun wolle man „jetzt angreifen“. Eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich klare Ansage – die nicht überall auf Zustimmung stieß.
Kahn hingegen begrüßt genau diese Haltung. Auf LinkedIn sprach der frühere Vorstandsvorsitzende des FC Bayern von einer „klaren und selbstbewussten Zieldefinition“. Dass sich Schlotterbeck für seine Worte im Anschluss beinahe rechtfertigen musste, wertet der 56-Jährige als Ausdruck eines tieferliegenden Problems im deutschen Fußball.
Schlotterbecks Vertrag bis 2027: Zukunft beim BVB weiter offen

„In Deutschland gilt es noch immer als Tugend, Erwartungen zu dämpfen“, kritisiert Kahn. Demut und Bescheidenheit würden häufig als Schutzmechanismus verstanden, um sich nicht angreifbar zu machen. Für Kahn ist eine ausgeprägte Siegermentalität untrennbar mit klar formulierten Zielen verbunden. „Starke Mentalität ist die Fähigkeit, Erwartung auszuhalten und Konsequenzen zu akzeptieren.“ Wer offen ausspreche, Meister werden zu wollen, setze sich nicht unnötig unter Druck, sondern gebe eine Richtung vor. Ohne diese Klarheit drohe Stillstand.
Seine Aussagen klingen dabei fast wie eine indirekte Warnung an den BVB. Denn ambitionierte Zielsetzungen spielen laut Kahn auch bei Personalfragen eine zentrale Rolle. „Leistungsträger denken nicht in Narrativen, sondern in Perspektiven“, betont er. Wenn Spieler nicht erkennen, dass ihre Leistung in Dortmund auf ein echtes Ziel einzahlt, könnten sie „ihre Konsequenzen“ ziehen.
Im Fall Schlotterbeck bekommt diese Analyse zusätzliche Brisanz. Der Vertrag des Innenverteidigers läuft noch bis 2027, eine Verlängerung steht bislang aus. Mit seiner öffentlichen Meisteransage hat er zumindest klargemacht, welchen Anspruch er an sich und seinen Klub stellt. Für Kahn ist genau das der richtige Weg – für Dortmund aber auch eine Verpflichtung.

