Dafür erntet BVB-Berater Sammer heftige Reaktionen und Kopfschütteln

Nicht in seiner Funktion als Berater des BVB sprach Matthias Sammer jüngst, als er klare Position gegen einen ganzen Berufsstand bezog, der sich schon lange im modernen Fußball etabliert hat. Die entsprechenden Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

„Heuchelei“ und „Irrsinn“ werfen die von Matthias Sammer in ihrer Existenzberechtigung Angegangenen diesem vor. Sogar eine Unterlassungsklage soll im Raum stehen, will die Sportbild erfahren haben. Anlass für diese Empörung war die Aussage Sammers in einem TV-Gespräch, dass er Spielerberater schlicht „abschaffen“ würde, wenn es nach ihm ginge.

Argumente dafür lieferte der langjährige Spieler des BVB und spätere Meistertrainer auch: „Erstens verdienen sie zu viel Geld. Zweitens sind sie unnötig, und drittens schafft das keine Konstellation, die gut ist zwischen Spieler und Verein.“

Die Diskussion, in deren Rahmen Sammer diesen Standpunkt darlegte, drehte sich um eine potenzielle Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano beim FC Bayern München. Dessen Berater hatte gefordert, bei einem Zustandekommen des Deals das dann übliche Handgeld nicht gestückelt über die Vertragslaufzeit auszuzahlen, sondern sofort in einer Tranche.

Volker Struth Dirk Hebel Spielerberater
Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Beraterbranche kontert Sammers Kritik scharf

Die Reaktion der Gilde der Spielerberater erfolgte vielstimmig. Kritik an einzelnen Fehlentwicklungen sei durchaus legitim, hieß es da. Sammers Einlassungen aber seien pauschalisierend und entsprächen nicht mehr der Realität im Fußball. Schließlich sei der Fußball heutzutage ein „hochkomplexes juristisches, wirtschaftliches und internationales Umfeld“. Die Annahme, dass sich ein junger Spieler darin auskennen könne, sei realitätsfern. Zudem nutzten nicht nur Spieler die Kenntnisse der Berater. Auch die Vereine profitierten davon, beispielsweise bei der Anbahnung von Transfers.

Bei dieser eher milden Replik aus den Reihen von Größen der Branchen wie Rogon, Roof, Fokus oder Soccertalk, etablierten Agenturen also, blieb es aber nicht. Sammers Worte seien „rufschädigend“, verstärkten Vorurteile und erschwerten die Diskussion. Von Einzelfällen auf eine gesamte Berufsgruppe zu schließen, solch eine Vorgehensweise lehnen die Berater ab.

Kopfschütteln soll Sammer auch deshalb für seine Position geerntet haben, weil er selbst noch 2018 als Berater tätig war, wie gerichtsfest festgestellt wurde. Auch bei den Mitarbeitern des BVB soll man verwundert über die Einlassungen des eigenen Beraters gewesen sein, weiß die Sportbild.

Für die sportliche und personelle Situation bei Borussia Dortmund dürfte diese nun heftig aufflammende, aber vermutlich auch schnell wieder erlöschende Diskussion dennoch keine Konsequenzen haben.

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