Nach dem Aus des Standardtrainers blüht der BVB bei ruhenden Bällen plötzlich auf. Drei Standardtore gegen Mainz befeuern nun eine brisante Diskussion.
Borussia Dortmund hat eine neue Waffe – und sie kommt aus dem ruhenden Ball. Beim 4:0 gegen den 1. FSV Mainz 05 demonstrierte der BVB seine Standardstärke eindrucksvoll: Drei Treffer fielen nach Ecken oder Freistößen, insgesamt zehn der letzten 21 Tore seit dem Winter-Reset resultierten aus Standardsituationen. Brisant: Seit Januar gibt es in Dortmund keinen ausgewiesenen Standardtrainer mehr.
Die Trennung von Alex Clapham wirft deshalb Fragen auf. Hat das Aus des Spezialisten die neue Effizienz erst möglich gemacht? Sportdirektor Sebastian Kehl weist diesen Zusammenhang zurück. „Wir haben ein paar Sachen umgestellt und es wäre jetzt unfair, es an einer Person festzumachen“, betonte er nach dem Mainz-Spiel.
Tatsächlich scheint unter Chefcoach Niko Kovac und Co-Trainer Robert Kovac eine klarere Rollenverteilung zu greifen. „Wir trainieren es, jeder hat seine Aufgabe. Die Ecken kommen auf den Punkt genau“, erklärte Robert Kovac. Das Prinzip ist simpel, aber wirkungsvoll: Überladung des Fünfmeterraums, konsequente Blocks gegen den Keeper, präzise Hereingaben.
Julian Ryerson als Symbol der neuen BVB-Standardstärke
Zum Symbol dieser Entwicklung ist Julian Ryerson geworden. Der Norweger bereitete gegen Mainz vier Treffer vor – drei davon nach Standards – und steht ligaweit bei elf Assists. „Ich muss den Ball auf den Punkt bringen, die anderen müssen dahin laufen“, sagte er nüchtern. Seine Flanken erinnern nicht wenige an David Beckham, auch wenn Ryerson selbst den Hype lieber abkühlt: „Es sind drei Punkte. Nicht mehr und nicht weniger.“
Die neue Effizienz ist kein Zufall. In den sieben Ligaspielen seit Jahresbeginn erzielte der BVB sieben Tore nach ruhenden Bällen. Vor der Winterpause hatte man für dieselbe Ausbeute noch 15 Partien benötigt. Experten sehen eine Rückkehr zur Klarheit. Ex-Profi Shkodran Mustafi vermutet: „Man muss die Spieler davon überzeugen, dass jeder einfach seinen Job erledigen muss. Vielleicht ist man bei Dortmund dahin zurückgekommen und hat sich gesagt: Vielleicht haben wir viel zu viele komplizierte Sachen ausprobiert. Jetzt kehren wir zurück zu den einfachen Dingen“
Ob bewusste Vereinfachung oder zufällige Entwicklung nach dem Trainer-Aus – fest steht: Dortmund verbreitet bei Standards wieder Angst und Schrecken. Und Ryerson ist der Dirigent dieses neuen Offensivkonzerts.

