Was als stimmungsvolles Champions-League-Auswärtsspiel geplant war, ist in kürzester Zeit zu einer handfesten Eskalation geworden. Die aktive Fanszene von Borussia Dortmund hat angekündigt, das Rückspiel bei Atalanta Bergamo zu boykottieren. Kein organisierter Support, keine Choreografie, kein geschlossener Auftritt im Gästeblock. Auslöser sind massive Maßnahmen der italienischen Behörden – bereits im Vorfeld der Partie.
Schon an deutschen Flughäfen kam es laut Augenzeugenberichten zu intensiven Kontrollen. BVB-Fans sollen überprüft, durchsucht und teils an der Ausreise gehindert worden sein. Das Bündnis Südtribüne Dortmund spricht in einer Stellungnahme von einem „regelrechten Spießrutenlauf“, der für zahlreiche Anhänger in Ausreiseverboten oder Meldeauflagen endete.
Demnach habe es teilweise gereicht, typische Fankleidung oder Sticker mitzuführen, um ins Visier der Behörden zu geraten. Ziel der Maßnahmen sei es gewesen, mehrere hundert Anhänger zu identifizieren, die aus Sicht der Behörden nicht nach Bergamo reisen sollten.
Polizei besucht Fans sogar in Hotels
Auch in Italien selbst setzte sich die Serie an Maßnahmen fort. Laut Südtribüne sollen Dortmunder Fans, die bereits im Land waren, in ihren Unterkünften von der italienischen Polizei aufgesucht worden sein. Zudem seien geplante Busverbindungen von Mailand nach Bergamo kurzfristig gestrichen worden. Einige Anhänger wollten den Aufenthalt mit einem Besuch des Parallelspiels von Inter Mailand verbinden – auch diese Pläne wurden offenbar durchkreuzt.
Die Fans sprechen von einem bislang beispiellosen Vorgehen. „In fast 16 Jahren ununterbrochener Europapokal-Präsenz stellen diese Zustände ein Novum für uns dar“, heißt es in der Erklärung der aktiven Gruppen.
Boykott als klares Signal
Die Konsequenz fiel deutlich aus: Die Ultras fahren nicht. Der Gästeblock wird ohne organisierten Support auskommen müssen. Ein drastischer Schritt, den die Südtribüne als „schweren Herzens“ bezeichnet, zugleich aber als notwendiges Zeichen versteht.
Damit wird ein sportlich brisantes Rückspiel zum Politikum. Statt Fokus auf Fußball steht nun das angespannte Verhältnis zwischen Fans und Sicherheitsbehörden im Mittelpunkt. Ob das Schweigen im Gästeblock letztlich lauter wirkt als jede Gesangseinlage, wird sich am Spielabend zeigen.

