Ein Name taucht bei Borussia Dortmund immer wieder auf – und ein genauer Blick auf die Statistiken zeigt, warum sich eine Verpflichtung für den BVB lohnen könnte. Eine Analyse von BVB-Flirt Marcel Regula.
Der BVB bereits seit längerem Interesse an Marcel Regula zeigen. Der offensive Mittelfeldspieler von Zagłębie Lubin gilt längst als eines der größten Talente Polens, und ein Blick auf seine Statistiken dieser Saison erklärt, warum: Marcel Regula zeigt sich schnell, dribbelstark und technisch versiert. Allein elf erfolgreiche Dribblings stehen für ihn in dieser Spielzeit bereits zu Buche. Hinzu kommt eine ausgeprägte Spielübersicht, die sich in acht herausgespielten Chancen niederschlägt – wohlgemerkt in neun Spielen in der polnischen ersten Liga. Auch seine Flankenqualität sowie sein konsequentes Nachsetzen, um den Ball zurückzuerobern, zählen zu seinen auffälligsten Stärken – 44 Ballrückeroberungen in dieser Saison belegen diesen Einsatz.
Taktisch setzt ihn sein aktueller Trainer zumeist im Zentrum ein, von dort weicht Marcel Regula aber häufig auf den rechten Flügel aus. Offensiv liest sich seine persönliche Bilanz bislang durchwachsen: Zwei Tore stehen für ihn zu Buche, eine Vorlage ist ihm noch nicht gelungen. Die zugrundeliegenden Werte erzählen allerdings eine andere Geschichte. Mit einem Expected-Goals-Wert von 3,21 und einem Expected-Assists-Wert von 0,61 bleibt Marcel Regula zwar aktuell etwas unter seinen eigentlichen Möglichkeiten, zählt aber laut diesen Kennzahlen dennoch zu den stärkeren Spielern auf seiner Position.
Sollte der BVB in diesem Winter zuschlagen, wäre der Pole in erster Linie für die rechte defensive Außenbahn eingeplant. Und auch dort liefert Marcel Regula überraschend solide Zahlen. Pro Spiel kommt er auf 4,16 defensive Aktionen, 2,25 Tacklings sowie 4,94 Ballrückeroberungen. Laut „FotMob“ übertrifft er damit die meisten anderen Spieler auf seiner Position deutlich. Besonders aufschlussreich wird dieser Vergleich mit Blick auf einen möglichen künftigen Kollegen: Julian Ryerson kommt bei Borussia Dortmund auf lediglich 3,07 defensive Aktionen, 0,56 Tacklings und 4,46 Ballrückeroberungen pro Spiel – in allen drei Kategorien liegt Marcel Regula also vor dem Norweger. Dabei muss allerdings festgehalten werden, dass Julian Ryerson in einer stärkeren Liga und auf einer anderen Position spielt, wodurch die Werte nur bedingt vergleichbar sind. Dennoch geben sie einen interessanten Überblick über die grundsätzlichen defensiven Fähigkeiten beider Spieler.
Zieht man ein Fazit aus diesen Zahlen, zeigt sich: Marcel Regula ist zweifellos ein großes Talent, dessen Stärken klar im offensiven Bereich liegen. Sein Positionsspiel ähnelt dabei dem von Konstantinos Karetsas. Genau das macht ihn für den BVB interessant, denn in einem System, in dem Marcel Regula als Flügelspieler neben dem Griechen agieren könnte, dürfte er seine Stärken optimal ausspielen können. Eine Rotation auf dem Feld zwischen den beiden könnte Borussia Dortmund noch mehr Flexibilität und Unberechenbarkeit bieten. Auch ein Einsatz als rechter Schienenspieler, als Ersatz für Julian Ryerson, erscheint grundsätzlich denkbar. Angesichts seines offensiven Spielstils würde Marcel Regula auf dieser Position aber vermutlich nicht seine besten Leistungen abrufen können.
BVB-Sportdirektor Ole Book spricht über Winter-Transfers
Wie ernsthaft der BVB die Personalie tatsächlich verfolgt, bestätigte zuletzt auch Sportdirektor Ole Book gegenüber „Sky“. Zu konkreten Spielernamen anderer Vereine äußere man sich grundsätzlich nicht, erklärte er: „Wir halten es so wie wir es auch im Sommer gemacht haben.“ Gleichzeitig ließ er aber auch durchblicken, dass sich der Klub intensiv mit dem Transfermarkt beschäftigt: „Dass man da hin und wieder auch mal ein Gespräch führt und Kontakte hält.“ Eine direkte Verbindung zu einem einzelnen Spieler wollte Ole Book dabei aber nicht bestätigen: „Aber nicht auf einen einzelnen Spieler bezogen, sondern ganz allgemein.“
Trotz dieser vorsichtigen Wortwahl verliert der BVB die Personalie um Marcel Regula laut „Sky“ keineswegs aus den Augen. Zagłębie Lubin soll für den 19-Jährigen rund sieben Millionen Euro aufrufen, Kontakt zwischen beiden Seiten soll weiterhin bestehen. Schon im vergangenen Sommer hatte sich der BVB intensiv mit einer Verpflichtung beschäftigt: Als die schwere Verletzung von Giannis Konstantelias kurz vor Ende des Transferfensters die Kaderplanung durcheinanderbrachte, hielten die Dortmunder parallel Kontakt zu Marcel Regula und schickten sogar ein Flugzeug nach Polen. Erst in letzter Minute entschied sich der Klub aus finanziellen Gründen für die Leihe von Ethan Nwaneri.

Dass das Thema im Winter erneut aufkommt, hat auch einen klaren sportlichen Hintergrund. Seit dem bislang unersetzten Abgang von Yan Couto ist der Kader auf den Außenbahnen eher schmal besetzt, zusätzliche Brisanz erhielt die Situation durch die angeschlagene Auswechslung von Julian Ryerson im Nationalmannschafts-Duell gegen Portugal. Genau hier könnte Marcel Regula künftig aushelfen. Mittlerweile hat sich der Pole auch international einen Namen gemacht: Am 2. Oktober gab er beim 6:0-Erfolg Polens gegen Rumänien sein Debüt für die A-Nationalmannschaft, als er in der 71. Minute für Sebastian Szymański eingewechselt wurde.
Kombiniert man die beeindruckenden Offensivwerte des Polen, die überraschend starken Defensivstatistiken und die positionelle Nähe zu Konstantinos Karetsas mit dem akuten Bedarf des BVB auf den Außenbahnen, ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Sollte sich Borussia Dortmund im Winter tatsächlich zu einer Verpflichtung entschließen, könnte Marcel Regula für den Klub tatsächlich zu einem echten Glücksgriff werden – vorausgesetzt, die finanziellen und personellen Rahmenbedingungen passen am Ende zusammen.
