Serhou Guirassy
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Gut zehn Runden vor dem Ende der Bundesliga 2025/26 ist Borussia Dortmund der aussichtsreichste Konkurrent des FC Bayern München. Und ja, der zweite Tabellenplatz wirkt zumindest auf dem ersten Blick stabil. Tatsächlich brachte Niko Kovac mehr Ordnung ins Spiel des BVB. Kein Vergleich also mit der Zeit, in der man viel zu häufig zwischen mutigem Aufbau und unsauberer Absicherung schwankte. Trotzdem bilden die Standards noch eine Schwachstelle.

Und als Wettliebhaber, der sich die eine oder andere Bundesliga Prognose zu Borussia Dortmund durchliest, landet man mitunter bei diesem Thema. Und das völlig berechtigt, weil es Spiele drehen kann, auch wenn der BVB eigentlich mehr Spielanteile aufweist.

Ja, Sie lesen richtig: Kovacs Mannen können Partie kontrollieren, und trotzdem dann nach einer Ecke oder einem Freistoß ein Gegentor kassieren. Und bei einem vorherigen Doppelvorsprung wird es plötzlich wieder spannend. Deshalb ist das Über 2,5 eine lohnende Option.

Warum die Standard-Schwäche als so hartnäckig rüberkommt

Der aktuelle Ist-Zustand ist kein Zufall, denn schon in der Vorsaison legte die schwarzgelbe Defensive inkonstante Leistungen an den Tag. So standen Partien mit einer felsenfesten Defensivleistungen und andere, in denen ein oder zwei Szenen das Ganze zum Wanken brachten gegenüber. Hierbei kristallisierten sind sich insbesondere die Gegentreffer nach ruhenden Bällen als ein wiederkehrendes Problem heraus.

Das liegt daran, dass Borussia Dortmund viel zu oft bei Standards zwischen Raum- und Mannorientierung wechselt. Damit einher kommen Abstimmungsfehler naturgemäß häufiger und selbst die kleinsten davon können nun mal eine Begegnung entscheiden. Was in der Champions League mehr als in der Liga ausgenützt wird.

Auch in der Königsklasse hielt der BVB offensiv gesehen über weite Strecken mit, aber in der Luft und bei der Zuteilung war die Zuständigkeit nun mal teilweise nicht klar. Besonders bitter ist, dass dar gar nicht ein großer Fehler sein muss. Es reicht aber, wenn ein Spieler um eine Millisekunde zu spät startet oder den Kontakt zum Kontrahenten verliert. Weil dann wird es schnell gefährlich.

Warum der BVB unter Kovac bei Standards weiter Probleme hat

  • Am offenen Spiel hapert es nicht, da wirken die Schwarzgelben unter Kovac klarer organisiert. Das Team lässt nämlich weniger einfache Übergänge zu als zuvor zu – und das egal, ob mit 4-4-2 mit Raute oder in flexibleren Systemen. Damit meinen wir jene, die dank der Rückwärtsbewegungen auch das Umschalten auf die Fünferkette ermöglichen.
  • Doch die Abwehr bei Standards stellt ein eigenes Kapitel dar, und zwar, weil es eben nicht nur die Grundordnung geht. Hier dreht sich vieles auch um Timing, klare Ansagen, Wiederholungen des im Training geübten und minder wichtig die Konsequenz im Zweikampf. Also banal ausgedrückt dieses wer steht wo, wer übernimmt welche Zone, wer geht zum ersten Ball und wer sichert wiederum den zweiten.
  • An sich hätte Borussia Dortmund körperlich starke Spieler, aber diese agieren nicht immer konsequent genug. So kommt es etwa, dass ein Gegenspieler frei zum Kopfball kommt.
  • Ebenso nehmen die Automatismen eine Schlüsselrolle ein. Verteidigt egal welche Elf über Wochen hinweg zumindest einmal in einem Wettkampf – Rotationen sind auch abseits des DFB-Pokals nun mal notwendig – werden die Abläufe sicherer. Doch kommt es zu Verletzungen, Sperren oder etwa im Fall von Ramy Bensebaini zu Teilnahmen am Afrika Cup, schlägt sich das nieder.
  • Bei Standardsituationen fällt das häufiger auf, weil wenn Zuordnungen nicht passen, reicht für den Gegner ein kleiner Moment, damit der er eine Chance bekommt. Da kommt es nicht allzu selten vor, dass der BVB trotz starker Leistung ein oder zwei Standard-Gegentore hinnehmen muss.

Deshalb ist das „Über 2,5“ bei Borussia Dortmund häufig plausibel

Dieser Anfälligkeit von Borussia Dortmund steht eine hohe Effizienz gegenüber. Und so kommt es häufig zu Begegnungen mit mehreren Toren, auch wenn der Plan eigentlich Kontrolle vorsehen würde. Nach den bisherigen 21 Auftritten in der Bundesliga 2025/26 stehen 43 Treffer, also im Schnitt 2,04 zu Buche.

Auch wenn er nach 21 Meisterschaftsspielen bei elf Treffern hält, ist Serhou Guirassy ist dabei ein Schlüsselfaktor. Neben dem Teamspieler von Guinea, das jedoch den Afrika Cup in Marokko ebenso wie die WM in den USA verpasste, kommen Spieler etwa Maximilian Beier sowie Julian Brandt. So kommt es, dass der BVB selbst oft den Löwenanteil der nötigen Tore beisteuert.

Auch Timing, Schlussphasen und Müdigkeit spielen eine Rolle

Ein weiterer Faktor liegt in der zeitlichen Verteilung. Soll im Fall von Borussia Dortmund heißen: Man kontrolliert unter Kovac viele Phasen und kommt trotzdem häufig nach der Pause in die Bredouille. Landet der Ball dann im Tor und passiert in der Schlussphase noch mehr, ist das für Over-Wetten ein relevanter Hinweis. Bei anderen Mannschaften deutet ein 1:0 beim Pausenpfiff auf einen späteren Unter hin – beim BVB eben nicht.

Doch auch die Klub-WM 2025 ist vor allem im Nachhinein gesehen für diese Defensivprobleme verantwortlich. Neben zusätzlichen Begegnungen in Übersee hat sie eine komprimierte Vorbereitung sowie weniger saubere Trainingsphasen mit sich gebracht. Ein Allein-Erklärungsmodell ist das nicht, aber mitunter lässt die Konzentration deswegen in der Schlussphase nach. Schon kleine Unaufmerksamkeiten reichen bei Standards aus und daher wirkt sich das besonders aus.