Wird das Revierderby schon zum Schicksalsspiel für Lucien Favre?

Lucien Favre
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Dem Befreiungsschlag gegen Borussia Mönchengladbach im Bundesliga-Spitzenspiel folgte prompt die nächste Ernüchterung. Mit 0:2 verlor der BVB in der Champions League Gruppenphase bei Inter Mailand. Lucien Favre gab sein eigentlich heiliges Spielsystem auf und versuchte sich mehr nach dem italienischen Gegenüber zu richten – letztlich ohne Erfolg. Wird ausgerechnet das Revierderby am Samstag gegen Schalke 04 zum Schicksalsspiel für Lucien Favre?

Das 4-2-3-1 war wie ein Tattoo für Lucien Favre – er konnte und wollte diese Grundausrichtung nie verstecken, konnte sie auch scheinbar nicht ändern. Für sein Spiel mit abwechselnden Ballbesitzphasen und streckenweisem aggressivem Stören schien ihm dieses Grundsystem unabdingbar. Doch gegen Inter Mailand war die Zeit für Favre scheinbar gekommen, neue Wege zu beschreiten. Auch das ein Zeichen des Drucks, der auf dem Schweizer Übungsleiter lastet.

Im 3-4-3 schickte er seine Spieler gegen den italienischen Tabellenzweiten auf den Rasen. Die Idee dahinter: Die Doppelspitze Inters um Romelu Lukaku und Lautaro Martinez sollte durch drei Innenverteidiger (Hummels, Akanji und Weigl) besser aus dem Spiel genommen werden. Das funktionierte grundsätzlich auch – nur mit zwei nicht ganz unwichtigen Einschränkungen. Individuelle Fehler machen selbst die besten Ideen zunichte. Brandt attackierte de Vrij nicht, Weigl ließ Martinez davonlaufen, Schulz hob das Abseits schlafmützig auf. Martinez bedankte sich mit dem 1:0 für Inter Mailand. „80 Minuten lang war es ein typisches 0:0-Spiel“, meinte Mats Hummels nach Abpfiff der Partie, „nur dass es eben nicht 0:0 stand.“ Und das führt zum zweiten Problem: Ein torloses Remis wäre für den BVB das höchste der Gefühle an diesem Abend gewesen. Die Offensive ohne Marco Reus und Paco Alcacer – und auch ohne Mario Götze, der 90 Minuten auf der Bank schmorte – blieb vollkommen harmlos. Auch Inter Mailand war lange nicht zielstrebig, kam dann aber zunächst zu einem vergebenen Elfmeter und schlussendlich zum späten 2:0-Endstand.

Lucien Favre scheint kaum noch Rückhalt im Verein zu haben

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Gegen Schalke erwartet den BVB ein ähnlicher Gegner, wenngleich auf etwas geringerem fußballerischem Niveau. Doch mit einer Doppelspitze mit einem bulligen Stürmer (Burgstaller wie Lukaku) und einem flinken Angreifer (Kutucu, Matondo, Uth oder Raman kämpfen um den Martinez-Part) ähnelt der königsblaue Angriff dem der Nerazurri. Auch in Aggressivität und Laufleistung wirken die Gelsenkirchner wie wachgeküsst in dieser Saison von David Wagner.

Stichwort: Trainerposten. Denn einen wie David Wagner, Klopp-Freund mit Ruhrpott-Vergangenheit, wünschen sich auch die Schwarz Gelben – das wird immer offensichtlicher. Und auch wenn die Verantwortlichen das nach außen hin noch dementieren – stark ist der Rückhalt für Lucien Favre im Verein nicht mehr. Der grüblerische, verkopfte Schweizer scheint wenig mit dem erdigen Charme Dortmunds anfangen zu können. Und umgekehrt. Sportlich ist ihm wenig vorzuwerfen, aber den ganz großen Sprung hat er nun auch noch nicht geschafft.

Gedankenspiele um José Mourinho als Nachfolger, wie sie die „SportBild“ betreibt, sind vollkommen abwegig. Zu astronomisch dürften die Gehaltsvorstellungen, zu Dortmund-untypisch die Kaderplanung des Portugiesen sein. Das Schalke-Spiel könnte für Lucien Favre dennoch zu einem Schicksalsspiel werden. Eine Entlassung wäre zum jetztigen Zeitpunkt bei der aktuell immer noch aussichtsreichen Tabellenlage überraschend. Doch in der Dortmunder Führungsriege könnte sich Pläne nach einer mittelfristigen Veränderung auf der Trainerposition weiter erhärten.

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