Bundesliga

Teeny-Tore und Führungsspieler Brandt – 5 Erkenntnisse aus dem Pokal-Aus

Julian Brandt
Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Wieder war es das Achtelfinale, wieder war es Werder Bremen und wieder war es hochdramatisch. Der BVB konnte sich nicht für das Achtelfinal-Aus im vergangenen Jahr gegen Werder Bremen revanchieren, sondern musste in der Runde der letzten 16 Teams erneut die Segel im DFB-Pokal streichen. Was war gut, was war schlecht – dies sind die Erkenntnisse aus dem tragischen Pokal-Abend im Weser-Stadion.



Erkenntnis 1: Auf die Teenies Haaland und Reyna kann der BVB bauen

Zunächst zum Positiven: Auch wenn der BVB gestern eine bittere Niederlage einstecken musste, verbunden mit dem erneuten frühen Aus im DFB-Pokal – gleichzeitig könnten die schwarz-gelben Fans die Geburtsstunde eines großen Duos für die Zukunft miterlebt haben. Denn in der zweiten Halbzeit, mit Haaland und Reyna auf dem Platz, war der BVB endlich drückend, endlich kreativ, endlich spritzig. Dem 2:0 Rückstand galt es schließlich hinterherzulaufen. Kein Zufall war es schließlich, dass die beiden Treffer, die die Hoffnung der Dortmunder doch noch weiter in das Viertelfinale ziehen zu können, von dem 19-jährigen Norweger und dem 17-jährigen US-Amerikaner kamen.

Und beide zeigten, auf was man sich in Zukunft von ihnen freuen darf. Haaland brachte wie immer seine Wucht ein, seine Dynamik und seinen klaren Zug zum Tor. Mit vollem Körpereinsatz drückte er eine Außenristflanke von Julian Brandt über die Linie. Ein Tor des Willens, zappelte er schließlich im Anschluss daran wie ein Fisch im Tornetz. Anders der Fußball von Giovanni Reyna, voller Spielwitz, voller Kreativität – und randvoll mit außerordentlichem Talent. Elegant wackelte er zwei Gegenspieler vor seinem Treffer aus, um im Anschluss die Kugel unwiderstehlich und selbst für den herausragenden Bremer Keeper Pavlenka unhaltbar in den Winkel zu schlenzen. Die Flausen muss er sich allerdings noch austreiben. Kurz vor Schluss einen Elfmeter schinden zu wollen, eine Rudelbildung auszulösen und somit wertvolle Zeit zu verschenken war zumindest taktisch unklug.

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Erkenntnis 2: Auf die Teenies Haaland und Reyna muss der BVB bauen

Doch dass die beiden Youngster Haaland und Reyna überhaupt so gefragt waren, lag auch an den etablierten Stammspieler. Denn von denen kam in der ersten Halbzeit wenig offensiv Zwingendes. Das was die beiden Teenager ausmacht, Zug zum Tor und Spielwitz, war zunächst höchsten in homöopathischen Dosen zu sehen. Thorgan Hazard blieb weitestgehend unsichtbar, wurde in der Halbzeit für Erling Haaland vom Platz genommen. Jadon Sancho agierte viel zu wenig zielorientiert. Zu Marco Reus‘ Rolle später noch. Der BVB kann sich zwar über seine Youngster freuen. Die ganze Hoffnung und die komplette Verantwortung aber auf die Schultern eines 19-Jährigen und eines 17-Jährigen abzuladen, ist allerdings ein fatales Signal in Bezug auf die restliche Mannschaft.

Erkenntnis 3: Torwart-Rotation ist nicht immer eine gute Idee

Schon am frühen Abend hätte der BVB-Tross gewarnt sein können, hätten sie das Spiel von RB Leipzig bei Eintracht Frankfurt gesehen. Denn dort agierte der eigentliche Ersatzkeeper Mvogo, der nur in Pokalspielen eingesetzt wird, die erste halbe Stunde extrem unsicher. Auch Dortmunds Nummer 2 Marwin Hitz wird im DFB-Pokal zur Nummer 1 im schwarz-gelben Tor. Natürlich ist Hitz deutlich erfahrener als sein Schweizer Kollege Mvogo. Und natürlich hat er die Dortmunder Niederlage nicht allein zu verantworten. Doch der erste Treffer durch Selke viel aus nächster Nähe, nachdem Hitz einen Abschluss direkt vor die Füße des Bremer Neuzugangs prallen ließ. Leonardo Bittencourt wird wohl nur wegen dem noch schöneren Treffer von Giovanni Reyna nicht das Tor des Monats zum 2:0 erzielt haben. Und vor dem dritten Treffer lief Rashica nach feinem Konter auf Hitz‘ Tor zu. Stabilität und Ruhe konnte aber nicht ausgestrahlt werden.

Erkenntnis 4: Julian Brandt wird immer mehr zum Führungsspieler auf und neben dem Platz

Während designierte Führungsspieler wie Mats Hummels und Kapitän Marco Reus einen schwachen Abend erwischten, war Julian Brandt noch der stärkste der arivierten Stammspieler. Die Treffer zum 1:2 und 2:3 bereitete der deutsche Nationalspieler vor. Vor allem seine Außenristflanke auf Haaland vor dem ersten Dortmunder Tor war sehenswert. Und nicht nur auf dem Platz während der 90 Minuten, sondern auch im Anschluss an die Partie machte Julian Brandt eine gute Figur. Denn in der Cause Moisander vs. Reyna widersprach Brandt seinem Mannschaftskollegen Mats Hummels, der eigentlich in der Hierarchie über ihm angesiedelt sein sollte – mit guten Argumente.

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Was war passiert? Nach dem versuchten Schinden eines Elfmeters packte Niklas Moisander Giovanni Reyna am Kragen und geigte ihm die Meinung. Dabei erwischte er ihn auch leicht am Kinn, was Reyna dazu veranlasst, sich fallen zu lassen und das Gesicht zu halten. „Wenn ich das sehe, ist das Rot und Elfmeter“, sortierte Mats Hummels die Aktion nach Schlusspfiff am Sky-Mikrofon ein. „Ich weiß nicht, wie man zu einer anderen Entscheidung kommen kann.“ Wie das gehen sollte, erläuterte im Nachgang Julian Brandt: „Es ist halt ein Gerangel. Ein richtiger Schlag ins Gesicht war es ja auch nicht“, relativiert Brandt die Szene. „Mittlerweile sind wir an dem Punkt angekommen, wo jeder Schiedsrichter das für sich selbst bewertet.“ Und die einzig richtige Einordnung: Brandt ärgerte viel mehr, „dass wir gerade richtig gut drinnen waren und das Spiel dann drei, vier Minuten unterbrochen“ war aufgrund der Theatralik Reynas. „Das hat uns wieder aus dem Konzept gebracht“, haderte Brandt.

Erkenntnis 5: Vermisst! Wo ist Marco Reus?

Nicht in die Debatte griff Marco Reus ein. Was auch nicht seine Aufgabe ist. Doch seine Aufgaben auf dem Feld erledigt der eigentlich so Hochbegabte in diesem Jahr ebenfalls mehr als schleppend. Chancen, die eigentlich zu den klassischen Reus-Toren genutz werden, vergibt er zu häufig, auch gestern Abend. Und wie schon gegen Union Berlin bei seiner Auswechslung wirkt die Körpersprache des vermeintlichen Leaders eher kontraproduktiv, nämlich bremsend. Während sich Haaland und Reyna nach dessen erneutem Anschlusstreffer in ihrer Euphorie hochpushten, trottete Marco Reus gemächlich mit dem Ball in den Mittelkreis. Der BVB braucht Reus, aber sicherlich in anderer Verfassung als aktuell, sicherlich nicht konstant mit der eigenen Leistung hadernd.

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