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Virologe: Fußball nach Corona “frühestens nächstes Jahr” – BVB mit 60-Mio.-Puffer

Hans-Joachim Watzke
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Wie geht es in Zeiten der Corona-Krise weiter mit der Bundesliga und dem Fußball im allgemeinen in Deutschland? Die DFL berät über drei verschiedene Szenarien, wie die Saison im Schnelldurchlauf zu Ende gebracht werden kann, berichtet der “Sportbuzzer”. Ein Virologe kann sich hingegen Fußball in Deutschland “frühestens nächstes Jahr” wieder vorstellen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen könnte der BVB auch eine längere Pause wohl etwas einfacher stemmen, dank millionenschwerer Rücklagen.

Gegenüber “11Freunde” betonte Borussia Dortmunds Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Watzke, wie wichtig es sei, dass die Bundesliga Saison ordentlich zu Ende gebracht wird. “Sonst wird es dramatisch”, warnte Watzke und sah den professionellen Fußball in seiner aktuellen Form grundsätzlich bedroht. Wie aber ein Bundesliga-Betrieb aussehen soll, wo doch aktuell mit dem SC Paderborn und Eintracht Frankfurt zwei Profimannschaften selbst in 14-tägiger Quarantäne stecken und Ausgangssperren in ersten Landkreisen Realität werden, steht in den Sternen.

Die DFL erwägt laut “Sportbuzzer” drei grundsätzliche Konzepte, wie die Bundesliga und Zweite Bundesliga möglichst schnell abgeschlossen werden könnte. Eine Idee soll ein sogenannter EM-Modus sein. Sämtliche Erst- und Zweitligapartien würden in nur wenigen Stadien ausgetragen. An einem Tag fänden mehrere Spiele hintereinander statt. Die Hotels würden lediglich von den Fußballmannschaften bewohnt und die An- und Abreise ohne Kontakt zur Außenwelt stattfinden. Ein anderes Gedankenspiel sollen mehrere englische Wochen in Folge sein. Noch schneller würde ein Szenario, in dem die restlichen neun Spieltage in extrem kurzer Abfolge innerhalb von nur 16 Tagen stattfinden sollen. All diese Pläne sehen die Spiele vor leeren Rängen vor. Doch wie positiv auf den Corona-Virus getestete Spieler in diese Schemata passen, bleibt offen.

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Virologe sieht keine Chance, “dass die Saison zu Ende gespielt werden kann”

“Ich gehe fest davon aus, dass das erst wieder nächstes Jahr in dem Umfang stattfinden kann”, meinte Jonas Schmidt-Chanasit, der Virologe des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg im NDR-“Sportclub”. “Ich glaube, es ist nicht realistisch, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann.” Nicht einmal vor leeren Rängen. “Auch Geisterspiele würden dazu verleiten, dass die Leute sich wieder treffen wollen und das zusammen gucken wollen”, erläuterte Schmidt-Chanasit. “Deswegen glaube ich, dass die Entscheidung, Fußballspiele wieder stattfinden zu lassen, ganz zum Schluss erst wieder erfolgen kann. Ich glaube, da gibt es viele, viele andere Sachen, die früher zu entscheiden sind, wenn man die Schrauben überhaupt wieder lockern kann.”

Vorher kämen wichtigere Dinge, wie Schulen, Kindergärten und Arbeitsstätten. “Die Spaßveranstaltungen”, darunter der Fußball, “müssen ganz zum Schluss kommen. Gerade die, wo ein Potenzial besteht, dass sich die Leute wieder treffen wollen. Das darf man nicht unterschätzen.” Man sehe “ja, wie die Situation in Europa ist und was uns noch bevorsteht. Und selbst wenn es uns nicht so schlimm treffen sollte wie Italien – das heißt, dass wir es mit diesen Maßnahmen schaffen, die Fallzahlen auf einem Niveau zu halten, das Deutschland auch verträgt, das wir auch auf den Intensivstationen behandeln können -, heißt das ja noch lange nicht, dass der Fußball wieder anfangen darf. Weil das natürlich wieder zu einer deutlichen Verschärfung der Situation führen würde.”

“Frühestens nächstes Jahr” kann sich Schmidt-Chanasit wieder Profifußball in Deutschland vorstellen. Denn “der Fußball hat einen sehr starken Einfluss auf die Dynamik der Ausbreitung” des Coronavirus. Wirtschaftlich hat der BVB zumindest vorgesorgt. Schon im Januar hat Borussia Dortmund sein Kreditlimit auf 60 Millionen Euro erweitert. Diese Reserven sollen den BVB durch die restliche Saison tragen können, auch wenn keine Spiele mehr stattfinden sollten.