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Favre kontert ‘Experten’ Matthäus sachlich – “Lothar kann nicht alles wissen”

Lucien Favre
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Nicht schlimm genug, dass der BVB gegen den FC Bayern München durch die 0:1-Niederlage wohl die letzte Chance auf die Deutsche Meisterschaft verspielt hat. Im Anschluss bauschten Sky-Moderator Sebastian Hellmann und der immer um eine steile These bemühte Lothar Matthäus eine etwas unklare Aussage Lucien Favres zu einer vorgezogenen Abschiedserklärung auf. Auf diese Schlagzeilen heischende ‘Berichterstattung’ reagierte nun Favre selbst und stellt seine Aussagen in den richtigen Kontext.

Nach dem über weite Strecken mauen Auftritt gegen den FC Bayern wurde Lucien Favre auf seine Titellosigkeit und die anhaltende öffentliche Kritik an ihm als BVB-Trainer angesprochen: “Ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen.” Damit habe er nach eigener Aussage nur darauf verweisen wollen, dass es am Saisonende eine Analyse geben werde. Doch diesen Satz nahm Sky-Experte Lothar Matthäus zum Anlass um Lucien Favre zum Saisonende aus dem Amt zu fabulieren.

“Mir fehlt das Verständnis für diese Interpretation meiner Aussage. Ich habe das mit keiner Silbe gesagt und erst recht nicht gemeint”, bezog Favre nun klar Stellung. “Ich bin wieder einmal gefragt worden, ob ich keine Titel gewinnen könne. Darauf habe ich nur gesagt, dass wir uns ein wenig Zeit lassen sollten und gerne in ein paar Wochen, also nach Saisonende, über alles sprechen könnten. Was aus diesem Satz entstanden ist, ist völlig verrückt”, kritisierte der Schweizer Coach die Umdeutung seiner Aussage im “Sky”-Studio nach der Bayern-Partie. “Das ist wirklich unglaublich und für mich auch nicht akzeptabel.”

“Ich bin glücklich in Dortmund, habe einen Vertrag bis 2021 und will unbedingt auch nächste Saison auf der Bank sitzen”, verwies Favre auf seinen Vertrag und seine anhaltende Motivation. Er habe “immer gesagt, dass es beim BVB meine bisher schönste Trainer-Station ist. Mir gefällt es hier, und ich will hier auch weitermachen und noch einiges mit der Mannschaft und dem Klub erreichen.”

Favre lässt kein gutes Haar an Lothar Matthäus

Auch an der Aufstellung gegen den FC Bayern hatte Matthäus – wohlgemerkt nach der Partie, als das kritisieren doch deutlich einfacher fiel – einiges auszusetzten. Vor allem Emre Can und Jadon Sancho, beide noch nicht wieder bei 100 Prozent, vermisste Matthäus in der Startformation. “Sorry, aber Lothar kann nicht alles wissen, was bei uns intern abläuft”, konterte Favre gegen den Weltmeister von 1990, der nach seiner aktiven Karriere im Boulevard erfolgreicher als auf der Trainerbank agiert. “Ich bin der Trainer, ich sehe meine Spieler jeden Tag.” Und insbesondere Jadon Sancho war in den zweiten 45 Minuten, nach seiner Einwechslung, anzumerken, dass ihm noch Kraft und Spritzigkeit fehlen.

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Noch das Saisonziel, das da Deutsche Meisterschaft lautete, zu erreichen, wird laut Favre “brutal schwer wird”, allerdings sei mit noch sechs ausstehenden Spieltagen für ihn noch viel zu früh “jetzt schon einen Haken an die Saison zu machen.”

Favre will nächste Saison den FC Bayern wieder attackieren

Mit in die aktuelle Debatte spielt hinein, dass Lucien Favre bei seinen beiden vorherigen Trainerstationen in Deutschland, bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach, selbst die Segel strich. Doch das sei keine zulässige Deutung, so Favre. “Es gibt Menschen, die mich gut kennen und wissen, was in Berlin und Gladbach wirklich vorgefallen ist”, argumentierte er. “Aber das hat hier in Dortmund damit mal rein gar nichts zu tun. Ich wüsste wirklich keinen Grund, warum ich aufhören sollte. Ich fühle mich wohl und wertgeschätzt.” Er wisse auch um die “interne Rückendeckung” von Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc: “Wir sind uns total einig und maximal ambitioniert.”

Geschäftsführer Watzke nahm nach der überbordenden Berichterstattung auch gleich jeden Wind aus Spekulationen um Lucien Favre: “Es gibt überhaupt keinen Anlass für eine Trainerdiskussion.” Favre versucht den Fokus wieder auf das Sportliche zu richten. Es gehe für den Rest der Saison darum, das “Maximum rauszuholen und Rang zwei zu holen. Das muss jetzt das Ziel sein”, um sich dann in der kommenden Saison “wieder dem Kampf gegen die Bayern zu stellen und erneut versuchen, sie zu attackieren.” Klingt so ein Trainer, der sich bereits mit einer Amtsniederlegung beschäftigt?