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Taktik-Vorschau: Dortmunds neue Flexibilität mit Meunier und Bellingham

Thomas Meunier
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Eigentlich scheint die Rechnung in diesem Sommer beim BVB eine ganz einfache zu sein. Mit Achraf Hakimi und Mario Götze haben zwei namenhafte Spieler den Klub verlassen, für die beiden machten sich die Dortmunder Verantwortlichen auf die Suche nach Nachfolgern. In Thomas Meunier und Jude Bellingham wurden die schnell gefunden und an Land gezogen. Doch darüber hinaus gewinnt der BVB deutlich an taktischer Flexibilität. Und ganz nebenbei scheint das 3-4-3-System weiter zur bevorzugten Taktik von Lucien Favre zu werden.

Im Wintertransferfenster war die Dortmunder Transfertaktik schon recht offensichtlich. Mit Paco Alcacer und Julian Weigl trennte sich Borussia Dortmund von zwei Spielern mit riesigem Talent, die zumindest bei BVB-Coach Lucien Favre aber in Ungnade gefallen waren. Für den (einzigen) Mittelstürmer Alcacer verpflichteten die Schwarz Gelben Erling Haaland. Den im defensiven Mittelfeld und der Innenverteidigung einsetzbaren Julian Weigl ersetzte Emre Can. Auf beiden Positionen also einen Wechsel, der den BVB kaum Geld kostete und Spieler in den Verein brachte, die mit ihrer Wucht und ihrer Führungsmentalität ausgemachte Leerstellen im Dortmunder Kader füllen.

Ähnlich mutet die schwarz gelbe Transfertaktik in diesem Sommer an. Thomas Meunier und Jude Bellingham ersetzen die beiden einzigen namenhaften Abgänge Achraf Hakimi (Leihende, wechselt von Real Madrid zu Inter Mailand) und Mario Götze (derzeit noch vereinslos). Doch die Wahl der Neuzugänge erweitert darüber hinaus die Möglichkeiten von Lucien Favre, die scheinbar dauerhaft favorisierte 3-4-3-Grundordnung zu bestücken.

Thomas Meunier außen oder in der Dreierkette?

Denn sowohl Thomas Meunier als auch der Rohdiamant Jude Bellingham passen hervorragend in das System, mit dem Lucien Favre den BVB in der abgelaufenen Saison so stabilisieren konnte. Daher scheint es nur logisch, dass der Schweizer Trainer dauerhaft von seinem eigentlich alternativlosen 4-2-3-1 abrückt und bei der Dreierkette in der Abwehr bleibt. Zum Vergleich: In der zurückliegenden Spielzeit gelangen dem BVB in den ersten zwölf Saisonspielen lediglich fünf Siege. Borussia Dortmund dümpelte auf Platz Sechs in der Tabelle. Es erfolgte die taktische Umstellung von Vierer- auf Dreierkette. 16 Siege in den restlichen 22 Spielen der Bundesliga und ein unangefochtener zweiter Platz in der Abschlusstabelle waren die Folge.

Neben dem sportlichen Aufschwung spricht nun auch die Transferpolitik des BVB dafür, dass die Dreierkette Bestand hat. In der Abwehrzentrale ist der BVB äußerst dünn besetzt . Mit Mats Hummels, Dan-Axel Zagadou, Manuel Akanji und Leonardo Balerdi stehen lediglich vier gelernte Innenverteidiger im Dortmunder Kader – für drei Positionen in der letzten Reihe. Nach der Verletzung von Zagadou in der vergangenen Saison, baute Lucien Favre auf Lukasz Piszczek als drittes Glied in der zentralen Abwehrkette. Der nun mit Olympique Marseille in Verbindung gebrachte Leonardo Balerdi blieb konstant außen vor.

Die Piszczek-Rolle könnte nun auch Thomas Meunier übernehmen – zumindest im Notfall, wenn ein anderer Verteidiger ausfällt. Denn mit seinem Gardemaß von 1,90 Meter und seiner robusten Spielweise ist Meunier auch für die Abwehrzentrale durchaus geeignet. Dass er aber auch als Außenverteidiger den Offensivgang einlegen kann, beweisen seine Statistiken bei Club Brügge und Paris Saint-Germain: 42 Scorerpunkte in 198 Spielen in der belgischen Liga bzw. 34 Torbeteiligungen in 128 Spielen in der Ligue 1. Auch in Belgiens Nationalelf traf Meunier als Außenverteidiger sieben Mal in 40 Einsätzen.

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Jude Bellingham defensiv oder offensiv im Mittelfeld?

Jude Bellingham auf der anderen Seite ist im zentralen Mittelfeld sowohl defensiv als auch offensiv auf einer der beiden Positionen hinter Stoßstürmer Erling Haaland einsetzbar. In Birmingham bekleidete Bellingham zumeist eine der beiden zentralen Positionen in einem flachen 4-4-2. Doch da der englische Teenager sowieso noch als ungeschliffener Diamant nach Dortmund kommt, liegt es in Lucien Favres Hand ihn taktisch in einer der vier zentralen Positionen offensiv oder defensiv im Mittelfeld zu schulen. Auch bei Bellingham treffen sich physische Anlagen mit offensivem Spielwitz.