3:0 siegt Borussia Dortmund in ungewohnter Klarheit beim 1. FC Union Berlin. Die Presse ist sich uneins, ob sie nur solide oder mit aggressiver Attitüde agierende Borussen gesehen hat. Hier ausgewählte Pressestimmen.
„Fast chancenlos“ und „von einem Punktgewinn weit entfernt“ seien die Gastgeber gewesen, heißt es in der Berliner Zeitung. Dabei fürchteten die Spitzenteams der Bundesliga im Normalfall den Trip in die Alte Försterei. Auch diesmal habe Union alle notwendigen Tugenden gezeigt: Kampf, Laufbereitschaft, Intensität. Gegen diesen BVB sei das dennoch nicht annähernd genug gewesen. Vielmehr habe der BVB das richtige Rezept gefunden, wie man den Eisernen den Zahn ziehen konnte. Vielleicht sprachen im Anschluss deshalb alle über die kontroversen Szenen mit Emre Can – der Spielverlauf sei einfach zu einseitig gewesen.
Dass ein Team in diesem Stadion durch Tore nach Standards gewinne und ansonsten vor allem kompakt verteidige, sei nicht ungewöhnlich. Üblicherweise ist dies aber der 1. FC Union, nicht wie am Samstag der BVB, merkt der Tagesspiegel an. Der BVB habe dafür nur wie so oft in dieser Saison agieren müssen: „defensiv solide, aber auch sehr passiv“.
Wieder einmal, findet auch die Sportschau, habe der BVB nicht geglänzt, sei schlicht effektiv zu Werke gegangen. Die frühe Führung spielte den Dortmundern dabei in die Karten, die sich im Anschluss zurückzogen. In dieser Phase präsentierte Union sich „offensiv bieder“. Weil Schlotterbeck auch zu Beginn der zweiten Hälfte früh traf, kam keine Hektik mehr auf, sieht man von den Szenen um Emre Can ab. „Humorlos“ nahm der BVB somit die drei Punkte aus Berlin mit.

Can gerät in den Fokus – Spiel zu einseitig
Anders klingt die Bewertung in der Süddeutschen Zeitung. Dort attestiert man dem BVB eine „aggressive Attitüde“, welche den Sieg brachte. Diese sei bei Partien an der Alten Försterei auch nötig, hatten die Spieler beim desaströsen 0:2 bei Tottenham aber zumindest für eine Halbzeit vermissen lassen. Uneins sei man nun offenbar im Team, ob man sich noch zum Bayern-Jäger erklären solle oder ob dies nicht vermessen sei angesichts von immer noch acht Punkten Rückstand.
Ganz wichtig fand die WAZ das vorentscheidende Tor von Nico Schlotterbeck zum 2:0 sowie die Reaktion der gesamten Mannschaft auf die Champions-League-Pleite. Bei den personellen Wechseln habe sich besonders die Hereinnahme von Fabio Silva bezahlt gemacht. Zudem gab die frühe Führung Sicherheit. Der dennoch folgende Bruch im eigenen Spiel Mitte der ersten Halbzeit hatte keine Konsequenzen, weil Union nicht vermochte, ausreichend gefährlich zu werden. Während zuletzt selbst eine Zwei-Tore-Führung dem BVB nicht reicht, um ohne Zittern den Sieg einzufahren, war auch das in Berlin am Samstag anders – nach einer weitgehend „ereignislosen“ zweiten Halbzeit.

