Missbrauchsskandal: Interne Mail bringt BVB-Boss Cramer unter Druck

Nach neuen Enthüllungen im Missbrauchsskandal bei Borussia Dortmund zieht sich Geschäftsführer Carsten Cramer vorerst aus dem Aufarbeitungsgremium des BVB zurück.

Im Missbrauchsskandal bei Borussia Dortmund gibt es eine neue Entwicklung. Wie die BILD berichtet, lässt Geschäftsführer Carsten Cramer seine Mitgliedschaft im Aufarbeitungsgremium des Vereins vorerst ruhen. Hintergrund ist eine interne E-Mail aus dem Jahr 2022, auf die die Ermittler im Zuge der laufenden Untersuchungen gestoßen sind.

Die Vorwürfe richten sich gegen einen früheren hochrangigen BVB-Manager, der sich laut Berichten über Jahrzehnte hinweg an Jugendspielern und minderjährigen Fans vergangen haben soll. Die Boulevardzeitung hatte die Anschuldigungen erstmals im Oktober 2025 öffentlich gemacht und dem Beschuldigten das Pseudonym Horst Jansen gegeben. Die Staatsanwaltschaft Hagen führt mittlerweile 13 Ermittlungsverfahren gegen ihn.

Borussia Dortmund hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine unabhängige Aufarbeitung eingeleitet. Diese wird von der Prüfgesellschaft BDO sowie von Strafrechtlern der Kanzlei „Knauer&“ durchgeführt. Cramer spielte dabei zunächst eine zentrale Rolle: Als Vorsitzender des sogenannten Steering Committee (SteerCo) koordinierte er den Lenkungsausschuss, der die Untersuchung begleitet.

Nun zieht sich der 57-Jährige aus diesem Gremium zurück. Ein BVB-Sprecher erklärte laut BILD, Cramer habe sich „höchst vorsorglich entschieden, seinen Posten im SteerCo ruhen zu lassen“. Dies geschehe nicht wegen eines möglichen Fehlverhaltens, sondern „weil er für einen konkreten Sachverhalt als Auskunftsperson in Betracht kommt“.

Ermittler sehen bislang kein Fehlverhalten von BVB-Boss Cramer

Konkret geht es um eine E-Mail vom 27. Januar 2022. Darin wurden Hinweise eines mutmaßlichen Opfers weitergeleitet. Es wurde empfohlen, den früheren Manager damit zu konfrontieren, „was er mit minderjährigen Fans in den 1980er Jahren gemacht habe“. Unklar ist bislang, wie intern auf diese Nachricht reagiert wurde.

Carsten Cramer
Foto: IMAGO

Brisant ist laut BILD zudem, dass Cramer die E-Mail nicht selbst vorgelegt haben soll, als die Aufarbeitung im Herbst 2025 begann. Stattdessen entdeckten die internen Ermittler die Korrespondenz in den gesicherten Daten des Vereins. Wie die Ruhr Nachrichten berichten, soll es bereits früher Hinweise gegeben haben.

Demnach habe es über die mutmaßlichen Neigungen des ehemaligen Managers schon damals „viele Gerüchte“ gegeben, allerdings habe „eine Kultur des Wegsehens“ geherrscht. Die Ermittler betonen jedoch, dass sich bislang kein Fehlverhalten Cramers erkennen lasse. In einer Mitteilung an den Lenkungsausschuss heißt es: „Derzeit können wir kein persönliches Fehlverhalten feststellen.“

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