Seltsames Phänomen im Fußball des BVB unter Kovac

Der 2:0-Sieg des BVB beim VfB Stuttgart war ein besonders klares aber beileibe nicht das einzige Beispiel für das, was Jonas Ortmann in der WAZ als ein merkwürdiges „Phänomen“ bezeichnet, zu dem sich Borussia Dortmund unter Niko Kovac in spielerischer Hinsicht entwickelt habe. Damit meint der Kommentator die folgende auffällige Eigenschaft der Auftritte des BVB.

Zwei Punkte mehr als der FC Bayern München hat Borussia Dortmund in der Rückrunde eingefahren, wäre jetzt auf Kurs Deutsche Meisterschaft, wenn die Saison erst im neuen Jahr begonnen hätte. Neun Siege, nur je ein Remis und eine Niederlage erspielten sich die Schwarzgelben dabei. Hinzu kommt, dass man mit nun dreizehn Spielen in Folge mit mindestens zwei eigenen Toren einen Bundesligarekord eingestellt hat.

Wie diese Erfolge aber zustande kommen, könne „niemand so wirklich erklären“, meint Ortmann. In Stuttgart hatte der BVB bis zum 1:0 durch Karim Adeyemi in der 90+4. Minute keinen einzigen Schuss auf das Stuttgarter Gehäuse zu verzeichnen, die Offensive fand bis dahin nahezu gar nicht statt, meinte auch die Presse. Trotzdem gingen die drei Punkte am Ende nach Westfalen, fuhr man den nächsten Sieg ein.

Statistische Analysen wie jene von understat.com ergeben, dass der BVB satte dreizehn Punkte mehr gesammelt hat, als eigentlich vom Spielverlauf und Qualität und Anzahl der Torchancen zu erwarten gewesen wäre. Eine seltene gesehene Überperformance ist es also, die Kovac mit seinem Team auf die Rasen der Bundesliga zaubert.

Nico Schlotterbeck, Daniel Svensson, Fabio Silva und Carney Chukwuemeka
Foto: IMAGO

BVB eilt von Erfolg zu Erfolg: Gründe unklar

In der ersten Halbzeit in Stuttgart habe der BVB Bälle teils „blind nach vorne gedroschen“ und jeglichen systematischen Spielaufbau vermissen lassen. Dennoch punktet und punktet man unaufhörlich. Was den Schnitt von Kovac auf angesichts dieses Fußballs schwer zu glaubende 2,19 Punkten pro Bundesligaspiel mit dem BVB anhebt.

Wer nun auf Erklärungen wartet, wie dies alles gelingt, obwohl Borussia Dortmund so selten überzeugt oder dominiert, der wartet vergeblich. Ortmann betont ja eingangs, dass diese Siege im Prinzip niemand erklären könne. Gleichwohl räumt auch er ein, dass ein wichtiger Baustein sei, dass die Defensive in der Regel stabil agiere, wie es in Stuttgart über die gesamte Spieldauer der Fall gewesen sei. Da reichen dann eben eine oder zwei gelungene Aktionen in der Offensive, um ein Spiel zu gewinnen. Mit einem überlegenen Spielansatz habe das aber nichts zu tun, stehe Kovac doch ohnehin für den „pragmatischen Ansatz“.

Der Borussia wieder eine Identität auf dem Platz zu geben, nicht zuletzt dafür habe man jetzt Nils-Ole Book verpflichtet – auf den offenbar viel Arbeit wartet.

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