Jürgen Klopp bittet im Umgang mit Joshua Kimmich und Felix Nmecha um Geduld. Der neue Bundestrainer sieht die anfänglichen Probleme im Mittelfeldzentrum nicht bei seinen beiden Spielern – sondern im laufenden Entwicklungsprozess der deutschen Nationalmannschaft.
Die Besetzung der Doppelsechs ist nach den ersten beiden Spielen unter Klopp bereits zu einem großen Thema geworden. Auf das 1:1 gegen die Niederlande folgte eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland. Während Kimmich und Nmecha zum Auftakt noch überzeugen konnten und jeweils die Note 2 von Fußball-News erhielten, sah es im zweiten Spiel schon anders aus.
Beide konnten gegen Griechenland im Mittelfeld nicht mehr so viele Akzente setzen wie noch gegen die Niederlande und sahen gegen den Ball, insbesondere beim Gegentor, nicht gut aus.
Klopp kann die Diskussion daher grundsätzlich nachvollziehen, warnt jedoch vor vorschnellen Urteilen: „Ich verstehe total, dass das ein großes Thema ist“, erklärte der 59-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem dritten Spiel gegen Serbien.
Gleichzeitig verwies Klopp darauf, dass es normal sei, dass nicht alles von Beginn an klappt: „Ich bin seit 25 Jahren Trainer im Fußball und nach fünf Tagen hat in meinem ganzen Leben noch keine Doppelsechs funktioniert. Das geht nicht“, betonte der Bundestrainer.
Die anfänglichen Schwierigkeiten hätten dabei „gar nichts“ mit Kimmich und Nmecha selbst zu tun. „Null. Nada. Die haben auch bei der WM nicht in dieser Konstellation gespielt“, stellte Klopp klar. Kimmich hatte beim Turnier auf der rechten Abwehrseite gespielt, während Nmecha im Mittelfeld zum Einsatz gekommen war.
„Er ist auch eine Acht, aber in Momenten ist er eine Sechs“, erklärte Klopp mit Blick auf Nmechas neue Rolle.
Klopp fordert mehr Zeit für seine Spieler
Für den Bundestrainer gehört Geduld deshalb nicht nur zu seiner eigenen Arbeit, sondern auch zum Umgang mit den Spielern. Deshalb forderte er. „dass wir Spieler nicht sofort bewerten.“
„Der Trainer ist neu und bekommt Zeit, aber die Spieler keine mehr. Wie verrückt ist das denn?“, fragte Klopp.
Der 59-Jährige sieht die Entwicklung des DFB-Teams als gemeinschaftlichen Prozess: „Dieser Sport funktioniert nur über die Mannschaft – und die müssen wir entwickeln. Die Jungs wollen sehr guten und erfolgreichen Fußball spielen – und da werden wir hinkommen“, so Klopp.

Gleichzeitig sei allen Beteiligten bewusst, dass die Arbeit beim DFB unter besonderer Beobachtung steht: „Das Problem ist, dass unsere Entwicklung unter dem Brennglas der Öffentlichkeit stattfindet und jeden Tag bewertet wird“, erklärte Klopp.
Seinen Standpunkt fasste Klopp abschließend mit einem Bild zusammen: „Wenn man ein Ballett zusammenstellt – nicht das wir eines wären – und nach vier Tagen sollen die auftreten, dann rennen die sich über den Haufen. Das haben wir nicht getan, um das mal klarzustellen“, sagte er.
Im Spiel gegen Serbien muss der Bundestrainer sein Mittelfeld nun ohnehin umbauen: Kimmich und Nmecha stehen nicht im Kader für die beiden kommenden Partien und sind bereits abgereist. In München könnten stattdessen Aleksandar Pavlovic, Vitaly Janelt und Florian Wirtz im Zentrum auflaufen.
