Beim BVB klopft Polen an eine ganz neue Tür: Künftig könnten sogar Spieler zwischen der Jugendabteilung des Bundesligisten und einem polnischen Erstligisten wechseln.
Der Direktor der BVB-Akademie hat angekündigt, dass in Zukunft Transfers zwischen der Jugendabteilung von Borussia Dortmund und Widzew Łódź möglich sind. Im Interview mit „Łączy nas piłka“ machte Christian Diercks deutlich, wie offen der BVB für eine engere Zusammenarbeit mit dem polnischen Klub geworden ist: „Wir sind für alles sehr offen.“ Ursprünglich habe sich der Austausch vor allem auf die Nachwuchsarbeit konzentriert, erklärte Christian Diercks. Dortmund wollte in Łódź einen neuen Trainingsplatz errichten, und Widzew benötigte dafür Unterstützung. Doch schon kurz nach den ersten Kontakten lernten die Verantwortlichen aus Dortmund den gesamten Verein und seine Strukturen näher kennen.
Besonders beeindruckt zeigte sich Christian Diercks von der Aufgeschlossenheit auf polnischer Seite: „Alle waren sehr offen und sehr engagiert.“ Dabei sei es von Beginn an nicht nur darum gegangen, einseitig Wissen vom BVB zu übernehmen, sondern gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und über mögliche Projekte nachzudenken. Mittlerweile hat sich daraus ein äußerst enger Austausch entwickelt: Christian Diercks steht inzwischen fast täglich mit Vertretern von Widzew in Kontakt – sowohl auf sportlicher Ebene mit den Verantwortlichen der ersten Mannschaft und der Nachwuchsakademie als auch mit der Stiftung, dem Marketing, dem Sponsoring, dem Ticketverkauf und sogar dem Catering des polnischen Klubs.
Dass der BVB mit rund 1.200 Mitarbeitenden deutlich größer aufgestellt ist als Widzew, bedeutet laut Christian Diercks aber keineswegs, dass die Dortmunder automatisch alles besser machen. Vielmehr habe Borussia Dortmund schlicht einige Jahre mehr Zeit und deutlich mehr Personal gehabt, um bestimmte Strukturen aufzubauen. Genau dieses Verständnis für die Ausgangslage von Widzew helfe nun dabei, gemeinsame Zukunftsprojekte zu entwickeln.
Für Christian Diercks steht dabei die grundsätzliche Zusammenarbeit klar im Vordergrund: „Diese Zusammenarbeit ist viel wichtiger als die Frage, ob ein Spieler transferiert oder ausgeliehen wird.“ Trotzdem schloss er einen Wechsel keineswegs aus. Alles hänge letztlich von der jeweiligen Situation und dem Willen des einzelnen Spielers ab, ob dieser tatsächlich in Polen spielen und trainieren möchte. Konkrete Zusagen wollte Christian Diercks dennoch nicht machen: „Wir sind dafür offen, aber Versprechungen zu machen, wäre etwas unverantwortlich.“ Potenziell sei ein solcher Schritt aber „natürlich möglich“.
Die Basis für diese enge Partnerschaft legten Borussia Dortmund und Widzew Łódź bereits im August dieses Jahres offiziell fest. Beide Klubs vereinbarten damals eine langfristige Zusammenarbeit zur Förderung des deutsch-polnischen Fußballs. Im Mittelpunkt stehen dabei der gegenseitige Austausch in den Bereichen Sport, Kluborganisation, kommerzielle Partnerschaften und Stiftungsarbeit, mit einem klaren Schwerpunkt auf der Nachwuchsförderung sowie der Trainerausbildung.
Ermöglicht wurde die Kooperation nicht zuletzt durch die Unterstützung von BVB-Partner Panattoni, dessen Geschäftsführer Robert Dobrzycki zugleich als Präsident von Widzew Łódź fungiert. Auch BVB-Legende Łukasz Piszczek ist als Botschafter des Projekts eng eingebunden.
Wie eng die Verbindung zwischen Borussia Dortmund und Polen traditionell ist, betonte bei der Vorstellung der Partnerschaft auch Carsten Cramer, Sprecher der BVB-Geschäftsführung: „Polen und Borussia Dortmund verbindet seit vielen Jahren eine echte Freundschaft.“ Namen wie Ebi Smolarek, Robert Lewandowski, Kuba Błaszczykowski und eben Łukasz Piszczek hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass die Begeisterung für den BVB in Polen enorm groß ist. Nach den bereits bestehenden BVB-Akademien in Warschau und Schlesien bezeichnete Carsten Cramer die Partnerschaft mit Widzew Łódź als logischen nächsten Schritt, von dem beide Seiten vor allem im Nachwuchs- und Jugendbereich profitieren könnten.
BVB-Kooperation mit Widzew Łódź vielfältig
Konkret unterstützt Borussia Dortmund den polnischen Klub künftig als Wissenspartner mit jährlichen Expertentagen direkt vor Ort in Łódź. Dabei leistet BVB-Fachpersonal praktische Unterstützung bei der Optimierung der dortigen Trainingsstrukturen. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit beider Profiklubs auch den regelmäßigen Austausch neuer Potenziale und Chancen in der Fußballbranche fördern – mit dem erklärten Ziel, einen Mehrwert für beide Seiten zu schaffen.
Besondere Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich im Rahmen der Partnerschaft vor allem für junge Talente von Widzew. Über das „BVB Global School of Excellence“-Programm sowie die „BVB International Academy Experience“ werden polnische Nachwuchsspielerinnen und -spieler regelmäßig nach Dortmund eingeladen. Dort trainieren sie direkt gegenüber dem Signal Iduna Park an der BVB Evonik Fußballakademie und bestreiten im Rahmen ihres Aufenthalts ein Freundschaftsspiel gegen ein Nachwuchsteam des BVB.

Dass von dieser Kooperation nicht nur Widzew profitiert, machte Christian Diercks, der als Geschäftsführer der BVB Evonik Fußballakademie auch offizieller BVB-Repräsentant der Partnerschaft ist, in der Pressemitteilung des BVB deutlich. Auch für den Dortmunder Klub selbst eröffne sich dadurch ein neues Lernfeld, etwa beim Austausch über unterschiedliche Entwicklungen im europäischen Fußball. Besonders den persönlichen Kontakt schätzt Christian Diercks dabei: „Wir sind regelmäßig vor Ort und freuen uns über die Besuche unserer polnischen Partner.“ Genau dieser enge und kontinuierliche Austausch dürfte es am Ende auch erleichtern, dass einzelne Nachwuchsspieler künftig tatsächlich zwischen den beiden Vereinen wechseln könnten – sollte sich im Einzelfall die passende Gelegenheit ergeben.
