Monatelang ohne Verein, nun könnte für einen ehemaligen Dortmunder Offensivstar ausgerechnet La Liga zur neuen Station werden – allerdings steht noch eine finanzielle Hürde im Weg.
Ex-BVB-Star Jadon Sancho könnte schon bald nach Spanien wechseln. Das berichtet „DAZN“-Journalisten Pablo Pinto. Demnach zeigt der FC Getafe konkretes Interesse an einer Verpflichtung des 26-Jährigen. Für den spanischen Erstligisten wäre es bereits der zweite prominente, ablösefreie Neuzugang innerhalb kurzer Zeit: Erst kürzlich hatte sich Getafe die Dienste von Rechtsverteidiger Dani Carvajal (34) gesichert.
Wie die spanische Zeitung „Mundo Deportivo“ ergänzend berichtet, besteht beim möglichen Deal allerdings ein gewichtiges Problem: das Gehalt des Offensivspielers. Jadon Sancho soll rund vier Millionen Euro pro Jahr fordern – eine Summe, die den finanziellen Rahmen des aktuellen Tabellen-14. der La Liga deutlich übersteigt. Getafe prüft derzeit dennoch, ob sich eine Zusammenarbeit trotzdem realisieren lässt. Eine mögliche Lösung bestünde darin, innerhalb der Gehaltsobergrenze zusätzlichen Spielraum zu schaffen, etwa indem für den verletzten Außenstürmer Juanmi (33) eine Langzeiterkrankung beantragt wird. Dadurch würde dessen Gehalt vorübergehend nicht mehr vollständig auf das Salärlimit des Klubs angerechnet.
Sportlich bringt Jadon Sancho trotz seiner aktuellen Vereinslosigkeit weiterhin internationale Erfahrung mit. Die vergangene Saison verbrachte der Engländer auf Leihbasis bei Aston Villa. Nach dem Ende seines Vertrags bei Manchester United wurde er immer wieder mit verschiedenen Klubs in Verbindung gebracht, darunter auch wiederholt mit Borussia Dortmund. Sportdirektor Ole Book entschied sich dort allerdings bewusst gegen ein erneutes Engagement des 23-maligen englischen Nationalspielers.
Wie konkret die Gespräche rund um Jadon Sancho in den vergangenen Wochen tatsächlich verliefen, zeigt ein Blick auf seine gesamte Situation seit dem Sommer. Nach dem Abschied von Manchester United blieb der Offensivspieler bislang ohne neuen Klub und wollte unbedingt auf die richtige Gelegenheit warten. In den vergangenen Monaten führte er Gespräche mit zahlreichen interessierten Vereinen aus Europa, Saudi-Arabien und den USA, ohne dass sich daraus bislang ein Wechsel ergab. Auch Verhandlungen über einen möglichen Transfer zum FK Krasnodar nach Russland verliefen im Sand.
Auch Anfang Oktober blieb die Lage unverändert spannend: Vereine aus Spanien, Frankreich und auch aus der Bundesliga sollen eine Verpflichtung des Engländers weiterhin prüfen, ohne dass sich bei einem der Interessenten eine schnelle Einigung abzeichnete. Das berichtete das englische Portal „TeamTalk“. Selbst Como 1907, wo mit Yan Couto ein ehemaliger Leihspieler des BVB unter Vertrag steht, zeigte Interesse – auch dort kamen die Gespräche bislang nicht weit voran. Jadon Sancho verfolgte deshalb einen klaren Plan: Notfalls wollte er bis Januar warten, bevor er sich überhaupt einem neuen Klub anschließt. Wichtiger als Schnelligkeit war ihm dabei stets die Qualität der Entscheidung, um einen überstürzten Wechsel zum falschen Projekt zu vermeiden.
BVB lehnte Rückkehr von Jadon Sancho ab
Besonders aufschlussreich bleiben in diesem Zusammenhang die Hintergründe des gescheiterten BVB-Comebacks. Geschäftsführer Lars Ricken hatte im Interview mit der „Bild“ erklärt, dass der Klub im Sommer bewusst auf neue Talente statt auf ein bekanntes Gesicht setzen wollte. Ausschlaggebend gegen eine Rückkehr war vor allem die mediale Präsenz, die Jadon Sancho automatisch mit sich bringen würde: „Jadon hat so eine Wucht“, begründete Lars Ricken seine Bedenken, dass selbst eine Reservistenrolle für den Engländer keine realistische Option dargestellt hätte. Unabhängig von seiner konkreten Situation befürchtete der BVB-Geschäftsführer zudem: „Wir nur Jadon als Thema hätten.“
Eine Verpflichtung hätte laut Lars Ricken zudem direkte Folgen für andere Personalentscheidungen gehabt. Er stellte offen infrage, ob der BVB dann einen Fabio Silva hätte verkaufen müssen oder ob eine parallele Verpflichtung von Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias überhaupt noch möglich gewesen wäre. Auch für die eigenen Nachwuchstalente Samuele Inacio und Mathis Albert hätte eine Sancho-Rückkehr Konsequenzen gehabt, etwa in Form von Verkäufen oder Leihen. Am Ende entschied sich der BVB bewusst gegen diesen Weg.

Nun also rückt mit dem FC Getafe ein neuer, zunächst überraschender Interessent in den Fokus. Für den spanischen Klub wäre eine Verpflichtung von Jadon Sancho trotz der finanziellen Hürden ein echter Coup: Mit seiner internationalen Erfahrung und seiner Qualität auf den Außenbahnen würde der Engländer die Offensive der Spanier deutlich verstärken. Gleichzeitig zeigt der mögliche Weg über eine Langzeiterkrankung von Juanmi, wie kreativ Getafe nach Lösungen innerhalb der eigenen Gehaltsstruktur sucht, um den Transfer doch noch möglich zu machen.
Für Jadon Sancho selbst würde ein Wechsel nach Spanien bedeuten, dass sich seine lange Suche nach dem passenden neuen Arbeitgeber endlich dem Ende zuneigt. Nach gescheiterten Gesprächen mit Klubs aus mehreren Ländern und einer abgelehnten Rückkehr zum BVB könnte La Liga nun also tatsächlich die nächste Station in seiner Karriere werden – vorausgesetzt, Getafe findet innerhalb der kommenden Wochen eine Lösung für das Gehaltsproblem. Bis eine endgültige Entscheidung fällt, bleibt die Personalie damit weiterhin in der Schwebe, auch wenn sich mit dem spanischen Erstligisten inzwischen ein ernsthafter neuer Interessent aus der Deckung gewagt hat.
