Borussia Dortmund liefert unter Niko Kovac sportlich überzeugende Ergebnisse, doch die Spielweise der Schwarzgelben sorgt weiterhin für Diskussionen. Vor allem die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive wird von vielen Fans kritisiert. BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken kann diese Unzufriedenheit allerdings nur teilweise nachvollziehen.
Im Gespräch mit der Sport BILD stellt sich der 50-Jährige demonstrativ hinter den eingeschlagenen Kurs. Für Ricken ist attraktiver Fußball nicht ausschließlich eine Frage der erzielten Treffer oder herausgespielten Torchancen.
„Ich finde schon: Dort, wo Borussia Dortmund spielt, ist viel los auf dem Platz“, betont der frühere BVB-Profi. Eine Einschätzung, die angesichts der bisherigen Offensivleistungen durchaus diskutiert werden kann.
BVB-Offensive hinkt den Erwartungen hinterher
Ein Blick auf die Bundesliga-Statistiken zeigt, warum sich viele Anhänger mehr von ihrer Mannschaft erhoffen. Bei den erzielten Toren liegt Borussia Dortmund lediglich auf dem neunten Tabellenplatz. Noch schlechter sieht es bei den Torschüssen aus, wo der BVB nur Rang zehn belegt. Bei den herausgespielten Chancen reicht es immerhin für Platz acht.
Ricken bestreitet nicht, dass die Dortmunder im Angriff noch Verbesserungspotenzial besitzen. Gleichzeitig verweist er auf die strategischen Entscheidungen der vergangenen Transferperiode.
„Wir haben uns im Sommer bewusst für diesen Weg entschieden: Joane Gadou ist sogar als Innenverteidiger ein Spieler, der spektakulär spielt. Ansonsten haben wir nur Offensiv-Spieler verpflichtet“, erklärt der Sportgeschäftsführer.
Dass sich diese Investitionen bislang nicht durchgehend in einer attraktiveren Spielweise widerspiegeln, ist auch Ricken bewusst.
„Wir haben diesen Anspruch, ansehnlich zu spielen. Dass wir noch Luft nach oben haben, ist auch klar“, räumt er ein.
Ricken: „Nicht nur Hurra-Fußball“

Für den BVB-Boss steht allerdings fest, dass die sportlichen Anforderungen einer langen Saison nicht mit dauerhaftem Offensivspektakel vereinbar sind. „Wir haben in dieser Saison rund 50 Spiele. Da ist es gar nicht möglich, nur Hurra-Fußball zu spielen. Und auch nicht immer notwendig“, stellt Ricken klar.
Viel wichtiger sei es, dass sich Borussia Dortmund zu einer Mannschaft entwickelt, gegen die andere Vereine nur ungern antreten.
„Ein Gradmesser ist für mich, wenn wir mit anderen Vereinsvertretern zusammensitzen. Und ich sage Ihnen: Die haben alle keine Lust, gegen Borussia Dortmund zu spielen. Selbst mit einer guten Leistung hoffen sie eher auf ein Unentschieden als auf einen Sieg. Und genau das wollen wir auch ausstrahlen, dass wir für jeden Gegner unangenehm zu bespielen sind.“
BVB-Fans wünschen sich attraktiveren Fußball
Bei Teilen der Dortmunder Anhängerschaft kommt diese Argumentation bislang nur bedingt an. Nach dem Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt machten mehrere Fans ihrem Unmut in den sozialen Netzwerken Luft.
Ein Anhänger bezeichnete den aktuellen BVB-Fußball als „abgewöhnen“. Ein anderer schrieb, dass „eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt mehr Spaß“ machen würde, als die Spiele der Schwarzgelben zu verfolgen.
Die Kritik zeigt, dass gute Ergebnisse allein nicht alle Erwartungen erfüllen. Während die Vereinsführung vor allem die defensive Stabilität und die Wettbewerbsfähigkeit hervorhebt, wünschen sich zahlreiche Fans mehr Kreativität und Torgefahr.
Für Kovac und seine Mannschaft bleibt damit eine Herausforderung bestehen: Die sportliche Stabilität soll erhalten bleiben, gleichzeitig muss sich die Offensive weiterentwickeln. Denn die bisherigen Zahlen liefern den Kritikern durchaus Argumente.
