„So viele Fehler“: Watzke mit klarer Kante gegen Infantino

Manuel Behlert

In Berlin beraten Europas Verbandschefs über den weiteren Kurs gegen FIFA-Boss Gianni Infantino. Hans-Joachim Watzke sitzt als UEFA-Vize mit am Tisch und hat seine Linie schon vor Beginn der Runde unmissverständlich abgesteckt.

In jüngster Zeit seien „so viele Fehler passiert, vom Friedenspreis über das Balogun-Thema bis hin zu der Investorengeschichte als Gipfel“, sagte Watzke am Donnerstag. Für den DFB-Vize und Ligapräsidenten ist die Position seines Verbands damit gesetzt: „Wir haben eine klare Meinung als DFB.“

Neu ist diese Haltung nicht. „Ich bin kein Papagei, ich habe es die letzten Wochen oft genug gesagt“, stellte Watzke in aller Deutlichkeit klar. Gewicht bekommt die Wortmeldung durch den Zeitpunkt: Sie fiel unmittelbar bevor sich die UEFA-Spitzen in einer noblen Unterkunft am Potsdamer Platz zusammensetzten, um ihr Vorgehen gegen den Schweizer abzustimmen.

Dass Watzke die Investorengeschichte als Höhepunkt nennt, hat einen Grund. Das gescheiterte Vorhaben brachte Infantino zuletzt massiv in Bedrängnis. Inzwischen signalisiert der 56-Jährige Reformwillen und verspricht Ausschüttungen aus den Rücklagen der FIFA. Damit greift er Forderungen auf, die auch seine Kritiker erhoben hatten.

DFB-Linie gegen Infantino wird schärfer

Noch deutlicher wurde DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der in Berlin ebenfalls mitverhandelt. Im Tagesspiegel nannte er Infantino „nicht mehr tragbar“, der Schweizer habe dem „Fußball sehr geschadet“ und „jegliches Vertrauen verspielt“. Man müsse ihn „vom Platz stellen“. Neuendorf plädiert deshalb für einen Herausforderer. Der müsse nicht zwingend aus Europa kommen, auch ein Bewerber aus einer anderen Konföderation sei denkbar.

Hans-Joachim Watzke
Foto: IMAGO

Dass schon das Berliner Treffen einen konkreten Namen hervorbringt, gilt als unwahrscheinlich. Vorschläge für einen Gegenkandidaten müssen bis zum 18. November eingereicht sein. Gewählt wird beim FIFA-Kongress im März 2027 im marokkanischen Rabat.

Infantino findet Verbündete

Die Front gegen Infantino ist allerdings nicht geschlossen. Wie The Athletic berichtet, hat sich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Präsident des asiatischen Verbands AFC, in dieser Woche offenbar auf Infantino zubewegt. In einem Schreiben soll er von der externen Prüfung der FIFA-Governance abgerückt sein, die UEFA, AFC und CONCACAF ursprünglich gemeinsam verlangt hatten. Stattdessen brachte er demnach eine interne Arbeitsgruppe ins Spiel. Deren Auftrag: „konstruktiv zu prüfen, ob die bestehenden Governance-Strukturen der FIFA gestärkt werden können“.

Rückendeckung erhält Infantino zudem vom arabischen Dachverband UAFA, dem auch Katar und Saudi-Arabien angehören. Selbst innerhalb Europas hat er Fürsprecher: Aserbaidschan und Lettland stellten sich zuletzt hinter ihn, in dieser Woche wurde Infantino außerdem in Prag empfangen.

Diesen Artikel teilen