Ein junger Abwehrspieler überzeugt bereits auf ganzer Linie – trotzdem nimmt sich Borussia Dortmund gezielt zweier Baustellen in seinem Spiel an.
Borussia Dortmund möchte eine besondere Schwäche von Joane Gadou gezielt beseitigen. Das berichtet die „Sport Bild“. Im Zentrum steht dabei zunächst seine Rolle bei ruhenden Bällen: Der Klub wünscht sich von seinem Innenverteidiger deutlich mehr offensiven Einfluss bei Standardsituationen, schließlich spielte er in diesem Bereich bislang praktisch keine Rolle. Als Ursache machen die Verantwortlichen seine fußballerische Ausbildung aus – demnach wurde die Kopfballstärke des Franzosen in seiner Jugend schlicht nicht ausreichend geschult. Deshalb trainiert Joane Gadou mittlerweile zusätzlich mit dem Trainerstab an genau diesem Element seines Spiels.
Diese Investition erscheint aus Dortmunder Sicht naheliegend. Bei einer Körpergröße von 1,95 Metern bringt der Verteidiger ideale körperliche Voraussetzungen mit, um bei Eckstößen und Freistößen zu einer echten Waffe im gegnerischen Strafraum zu werden. Besonders wenn Nico Schlotterbeck ausfällt, fehlt dem BVB aktuell genau diese Art von Durchsetzungskraft bei ruhenden Bällen. Entwickelt sich Joane Gadou in diesem Punkt weiter, gewinnt die Mannschaft dadurch wertvolle zusätzliche Mittel im Angriffsspiel – und der Spieler selbst steigert seinen Wert innerhalb des Teams erheblich.
Doch das ist nicht die einzige Stellschraube, an der Niko Kovač aktuell dreht. Wie die „Ruhr Nachrichten“ berichten, nimmt sich der Cheftrainer parallel einem völlig anderen Teilaspekt an: dem Ballbesitzspiel unter gegnerischem Druck. Konkret geht es dabei um feine technische Details – die Ballannahme, die richtige Positionierung, die Verarbeitung sowie die Vororientierung vor dem ersten Kontakt. Nach der Partie gegen den VfB Stuttgart sprach der Trainer offen über diese Entwicklungsaufgabe: „Wie er den Ball verteidigt, das ist überragend.“ Diese Eigenschaft sei letztlich auch der ausschlaggebende Grund für die Verpflichtung gewesen, wie Niko Kovač hinzufügte: „Genau deshalb haben wir ihn verpflichtet.“ Im Umgang mit dem Ball selbst sieht der Trainer hingegen noch Luft nach oben: „Am Ball muss er manche Situationen anders lösen, aber daran arbeiten wir.“ Besonders im besagten Spiel gegen Stuttgart zeigte sich dieses Muster mehrfach, wenn Joane Gadou von außen angespielt wurde und spürbar unter Zeitdruck geriet.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Hier handelt es sich um Feinarbeit, nicht um ein strukturelles Problem. Das zeigt schon ein Blick auf seine bisherigen Auftritte in dieser Saison. In sieben Pflichtspielen stand der junge Franzose bereits sechsmal in der Startformation und setzte sich praktisch aus dem Stand auf der rechten Position der Dreierkette durch. Rund 20 Millionen Euro ließ sich der BVB diesen Sommer die Verpflichtung von RB Salzburg kosten, wo Joane Gadou zuvor gespielt hatte – ausgebildet wurde er ursprünglich bei Paris Saint-Germain, zudem läuft er für die französische U21-Nationalmannschaft auf.
Großes Lob für BVB-Star Joane Gadou
Sportlich sticht der 20-Jährige vor allem durch Schnelligkeit und Athletik hervor. Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte er gegen Stuttgart, als er den bereits durchgebrochenen Ermedin Demirović mit einem Sprint von 36 Kilometern pro Stunde noch einholte und die Situation im letzten Moment per Grätsche klärte. Gegen den Ball liefert Joane Gadou also schon jetzt absolute Topleistungen – allein die Ballverarbeitung unter Druck bleibt vorerst sein größter Entwicklungspunkt.
Welches Ansehen der Neuzugang im Mannschaftsgefüge bereits genießt, verdeutlichte zuletzt sein Nebenmann in der Abwehr, Nico Schlotterbeck. In einer grundsätzlich positiven Bestandsaufnahme des veränderten Kaders hob der Abwehrchef die Qualität der Neuzugänge besonders hervor: „Die Neuzugänge, die kamen, sind alle auf einem Top-Niveau.“ Konkret auf Joane Gadou bezogen, wurde er noch deutlicher: „Das ist schon höchste Klasse.“

Für Borussia Dortmund zeichnet sich damit ein klarer Entwicklungsfahrplan für den jungen Innenverteidiger ab. Einerseits soll die fehlende Förderung aus der Jugendzeit nachgeholt werden, damit Joane Gadou künftig auch bei Standardsituationen im gegnerischen Strafraum Gefahr ausstrahlt. Andererseits feilt Niko Kovač parallel an den technischen Details im Spielaufbau, damit der Franzose auch unter Druck ruhiger und sicherer agiert.
Sollte es dem BVB gelingen, beide Baustellen in den kommenden Monaten erfolgreich zu bearbeiten, könnte aus Joane Gadou ein nahezu kompletter Innenverteidiger werden: stark im Zweikampf, gefährlich bei Standards und zugleich spielstark am Ball. Nach seinem bisherigen Start in Dortmund erscheint dieses Zukunftsszenario alles andere als unrealistisch – zumal sowohl Trainer als auch Mitspieler schon jetzt vom Potenzial des Neuzugangs überzeugt wirken.
