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Ist der BVB zum ewigen Zweiten verdammt?

Michael Zorc
Foto: Sebastian Widmann/Getty Images

Die Fans von Borussia Dortmund beginnen langsam aber sicher zu verzweifeln. Acht Jahre, nachdem Jürgen Klopp mit dem BVB zweimal hintereinander den Meistertitel nach Dortmund holen konnte, sind alle Rezepte, den FC Bayern München auf dem Weg zu Titel zu stoppen, gescheitert. Der Serienmeister steht auch in der aktuellen Saison kurz davon, den achten Triumph in Folge zu feiern. Der insgesamt 30. Meistertitel des FC Bayern München wirft schön langsam die Frage auf, wie lange es noch so weitergehen kann.

Der entscheidende Game Changer fehlt

Es ist ja nicht so, dass der BVB nicht alles versucht hätte einen Game Changer zu finden. Diesen populären Begriff aus der Fußball-Sprache kennt man als etwas, das die Regeln verändert und in eine andere Richtung führt. Versuche gab es zahlreiche. Sogar Kult-Trainer Jürgen Klopp musste vor einigen Jahren erkennen, dass er mit seinem Latein am Ende war. Ihm war es als Letzten gelungen Borussia Dortmund zum Meistertitel zu führen. Mit Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger und zuletzt Lucien Favre haben sich seither vier Trainer am BVB versucht.

Sie alle scheiterten bisher daran die Vormachtstellung des FC Bayern München zu brechen und den Meistertitel nach Dortmund zu holen. Gerade Lucien Favre traute man zu den Bann zu brechen, schließlich galt er als Wunschtrainer der Verantwortlichen. Doch auch er wurde seinem Ruf gerecht und schaffte es nicht einen zuvor herausgearbeiteten Vorsprung auf den FC Bayern München ins Ziel zu bringen.

Die neue Saison bracht Spannung wie noch nie

Dieses Jahr schien zumindest von Beginn an alles anders zu werden. Nie zuvor herrschte an der Spitze der Deutschen Fußball-Bundesliga ein derartiges Gedränge. Während der Titelverteidiger wieder einmal einen schlechten Start erwischte, erreichte der Kampf um die Spitzenplätze eine nie gekannte Dichte. Bis zu neun Teams matchten sich um die Tabellenführung. Wer hätte denn vor dem Saisonstart gedacht, dass der VfL Wolfsburg Tabellenführer sein würde, oder dass der SC Freiburg auf Platz zwei zu liegen kommen könnte?

Je mehr Spieltage absolviert waren, desto mehr lichtete sich das Feld und die Favoriten wurden sichtbar. Der FC Bayern München wollten dem Drama nicht länger zusehen und feuerte Trainer Nico Kovacs, der bereits im letzten Jahr alles andere als unumstritten war. Ein Nachfolger kam trotz intensiver Suche nicht in Sicht, also entschloss man sich den bisherigen Co-Trainer Hansi Flick zum Chef zu ernennen. Zum Leidwesen von Borussia Dortmund und aller anderen Gegner sollte sich diese Notlösung als goldrichtig erweisen.

Flick brachte wieder Ruhe nach München, motivierte die Leistungsträger und startete die Aufholjagd. Währenddessen waren Borussia Mönchengladbach und der RB Leipzig zu Mitfavoriten auf den Titel aufgestiegen. Experten gingen während der Winterpause davon aus, dass sich der Kampf in der Rückrunde zuspitzen würde. Doch daraus wurde nichts. Während die Gegner Punkt um Punkt vergaben, stürmten die Münchner wieder ganz nach vorne. Nach der ungeplanten Pause von einigen Wochen schienen die Chance von Borussia Dortmund wieder intakt zu sein.

Beide direkten Duelle verloren

Grundvoraussetzung für ein Duell an der Spitze war allerdings ein Sieg im direkten Duell. Dieses würde in Dortmund stattfinden und böte so alle Möglichkeiten den ewigen Gegner in die Knie zu zwingen. Doch statt den Vorsprung auf nur noch einen einzigen Punkt zu reduzieren, verlor der BVB das Spiel und steht nun, drei Spieltage vor dem Ende, mit einem Rückstand von sieben Punkten auf die Tabellenführung da. Alle Chancen und Hoffnungen haben sich wieder einmal im Saisonfinale zerschlagen. Im Cup vorzeitig gegen den Abstiegskandidaten Werder Bremen ausgeschieden, in der Champions League gegen PSG verloren, bleibt den Schwarz-Gelben offenbar wieder einmal nur der undankbare Platz zwei in der Meisterschaft.

Betrachtet man den Saisonverlauf, dann lässt sich die Niederlagenserie auf einen einzigen Nenner bringen. Borussia Dortmund muss, wenn es zukünftig wieder Deutscher Meister werden möchte, die direkten Duelle gegen Bayern München gewinnen. Nur so hat der Verein eine Chance seine Ausrutscher während der Saison vergessen zu machen. Ob Trainer Lucien Favre der richtige Mann für diese Mission ist, sei dahingestellt. Noch dementiert der BVB einen Wechsel auf der Bank, doch die Gerüchte werden immer lauter.

Sky-Experte Lothar Matthäus glaubt fest an einen Trainerwechsel. Der Name, der dabei immer wieder auftaucht, ist jener des Red Bull Salzburg-Trainer Jesse Marsch. Aus seinem Team kam mit Erling Haaland der dominante Borussia-Dortmund-Spieler der Rückrunde. Bei einem Transfer des Trainers könnte es daher zu einer „Wiedervereinigung“ des Dream-Teams kommen. Ob ein vollständig fitter Haaland alleine ausreicht, um den BVB in der nächsten Saison zum Titel zu führen, bleibt allerdings weiter fraglich.