Der Architekt der BVB-Zukunft: Wie Paul Schaffran Dortmunds Stars von morgen formt

Die Zukunft von Borussia Dortmund liegt in seinen Händen. Als Direktor des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) verantwortet Paul Schaffran (39) heute zwölf Kinder- und Jugendteams des Bundesligisten. In seinem Fokus steht dabei vor allem die strategische Ausrichtung der Akademie.

Als NLZ-Direktor verantwortet Schaffran die Mannschaften von der U9 bis zur U23. Erfolg misst man in Dortmund dabei nicht primär an Titeln, sondern am Sprung in den Profikader. Dafür werden Talente regelmäßig ins kalte Wasser geworfen: „Wir haben viele herausragend gute, hochtalentierte Spieler. Sie werden dort eingesetzt, wo sie am meisten lernen, also meist in älteren Jahrgängen“, erklärt der Verantwortliche gegenüber dem RBB. Das schmälere zwar die Wahrscheinlichkeit auf schnelle Erfolge, sei aber der einzig richtige Weg: „Unsere Währung ist aber, wie viele Spieler am Ende auf höchstem Niveau spielen.“

Schaffran selbst bringt keinerlei Profierfahrung mit: „Ich habe bei der SG Beelitz in der Kreisliga gespielt, in Bochum auf Landesebene – höher nicht.“ Statt auf dem Rasen machte er abseits davon Karriere: „Aber ich bin mehr und mehr ein Experte im Nachwuchsfußball geworden, habe viel geforscht und gelernt.“ Dass er seit September 2026 die BVB-Akademie als Direktor leitet, ist für das moderne Fußballgeschäft eine absolute Ausnahme: „Dennoch ist mein Weg eher ungewöhnlich. In solche Positionen kommen heutzutage oft eher Ex-Fußballer oder Ex-Trainer.“

Die Basis für seine aktuelle Tätigkeit legte er im Master-Studium mit dem Schwerpunkt Trainingslehre im Leistungs- und Kindersport. Seine Abschlussarbeit über das Jugendtraining beim VfL Bochum und MSV Duisburg prägt ihn bis heute: „Da habe ich natürlich sehr viel mitgenommen und den Grundstein für meine spätere Arbeit beim BVB gelegt.“

„Unterschiedsspieler in der Champions League“

Auf Initiative des damaligen NLZ-Direktors und heutigen Sport-Geschäftsführers Lars Ricken (50) baute der BVB 2021 eine eigene sportwissenschaftliche Abteilung auf, deren Leitung Schaffran übernahm. „Es ging dann mehr und mehr um die biologische Reife einzelner Spieler und die Talentprognose“, erklärt der 39-Jährige. Die große Kunst liege seither darin, das Entwicklungspotenzial eines Spielers von seiner momentanen Leistung zu trennen.

Lars Ricken
Foto: IMAGO

Schaffran hat ein großes Ziel: „Wir wollen in zehn bis 15 Jahren die Akademie in Europa sein, die jährlich zwei bis drei Spieler herausbringt, die Unterschiedsspieler in der Champions League sein können.“ Gleichzeitig liege der Fokus stets darauf, starke Charaktere herauszubilden. Schließlich ist der Weg in den Profifußball steinig und nicht jedem Talent ist der Sprung nach ganz oben vergönnt.

Um stets auf dem Laufenden zu bleiben, sieht Schaffran pro Jahr rund 150 Fußballspiele von Jugendteams – der Großteil mit BVB-Beteiligung.

Diesen Artikel teilen