Das späte 2:2 gegen Werder Bremen war einmal mehr ein Indiz dafür, dass beim BVB vieles goldener glänzt als es eigentlich ist. Weder das Ergebnis als mehr das Spiel selbst sprechen dafür. Der Schluss: Eine Verlängerung mit Niko Kovac wäre noch zu früh. Ein Kommentar.
Niko Kovac hat bei Borussia Dortmund bisher herausragende Arbeit geleistet. Die Schwarz-Gelben mit einer unfassbaren Aufholjagd vor zwei Jahren noch in die Champions League geführt, letzte Saison die Vizemeisterschaft. In dieser Spielzeit hat der Kroate mit 107 Punkten nach 50 Partien bereits einen neuen Punkte-Rekord aufgestellt. Dennoch liefert der Trainer bislang noch nicht das wichtigste Argument um seinen Vertrag auch wirklich zu verlängern: BVB-Fußball muss erfolgreich und ansehnlich sein.
Am fünften Spieltag der Bundesliga-Saison hat es der BVB noch nicht geschafft eine Partie von Anfang bis Ende zu dominieren. Gegen den HSV war es eine starke erste Halbzeit, gegen die TSG Hoffenheim und gegen Paderborn eine starke Schlussviertelstunde. Gegen den VfB Stuttgart das Glück. Das kann nicht der Anspruch des BVB sein.
Gegen Werder Bremen zeigte Borussia Dortmund eine erneut schwache Leistung. Nachdem sich die Werderaner in den vergangenen Wochen besonders anfällig in der Defensive zeigten schaffte es der BVB nicht seine eigene Offensive ins Rollen zu bringen. In der ersten halben Stunde schafften es die Schwarz-Gelben nicht eine gefährliche Tor-Aktion zu kreieren. Ein Bild, welches beim BVB langsam zu Gewohnheit wird. Schuld daran hat auch Niko Kovac.
BVB-Spielstil zu defensiv
Statt auf die jungen wilden Talente wie Samuele Inacio oder Mathis Albert in der Startelf zu setzen, spielte ein Marcel Sabitzer in der Offensive. Eine Position, auf welcher der Österreicher nie seine stärksten Leistungen zeigte. Des Weiteren ist Marcel Sabitzer ein eher defensiver Spieler. Ergo: Offensive Aktionen sind eher nicht zu erwarten. Anstatt junge und unbekümmerte Top-Talente aufzustellen gegen einen Gegner, der defensiv ohnehin anfällig ist, stellte der Kroate einen defensiv-orientierten Akteur auf. Und die erste Auswechslung beim Stand von 0:0 war dann nicht der defensive Sabitzer, sondern der offensive Nwaneri. Entscheidungen, welche bei den Fans auf X und Co. für Unverständnis sorgten.
Der Spielstil des BVB ist oft zu defensiv. Bei Unentschieden, bei Führung und auch bei Rückstand. Zu oft schalten die Schwarz-Gelben in den „Verwaltung-Modus“ anstatt auf das nächste Tor zu gehen. Kreativspieler wie Neuzugang Konstantinos Karetsas können ihre große Stärken so oft nicht ausspielen. Kreative Ideen können Spieler wie der Grieche nur dann umsetzen, wenn andere Akteure diese Laufwege annehmen und so ausgerichtet sind, dass sie diese auch annehmen dürfen. Wenn die primäre Idee ist kein Tor zu kassieren anstatt selbst eins zu erzielen kommen Spiele zustande wie das gegen Werder Bremen. Zumal diese Art von Fußball auch die Entwicklung von jungen Spielern wie Mathis Albert oder Samuele Inacio negativ beeinflussen könnte, da sie so zu wenig Spielpraxis kommen.

Klar ist allerdings auch: Eine Vertragsverlängerung von Niko Kovac bei Borussia Dortmund ist zu 100 Prozent das Richtige. Nur der Zeitpunkt in einer Phase, wo die Mannschaft noch nicht den sich von den Bossen geforderten nächsten Schritt gegangen ist, wäre der falsche. Immer wieder betonen alle Beteiligten, wie groß die gegenseitige Wertschätzung und das Vertrauen ineinander ist. Auf dieser Basis kann die Unterschrift unter einem neuen Vertrag auch nicht zu Beginn des kommenden Jahres erfolgen. Im besten Fall auf einem Platz vor dem FC Bayern München in der Bundesliga und im DFB-Pokal mit einem Platz im Viertel- oder Halbfinale.
