Egal ob Jugend-Bundesliga, DFB-Pokal, Champions-League-Nachwuchswettbewerb oder Länderspiel: Ein Shootingstar der Dortmunder U19 trifft praktisch im Wochentakt.
Die U19 des BVB hat in der UEFA Youth League ihr erstes Spiel gewinnen können. Beim FK Bodø/Glimt setzten sich die Dortmunder am zweiten Spieltag überzeugend mit 5:0 durch und wahrten damit die Chance auf die Qualifikation für das Sechzehntelfinale der europäischen Nachwuchs-Königsklasse. Besonders hervor stach dabei erneut ein 16-jähriger Angreifer: Bjarki Gardarsson traf in Norwegen gleich doppelt, zudem trafen Justin Hoy und Luke Fahrenhorst jeweils per Elfmeter sowie Tim Degener für die stark aufspielenden Schwarz-Gelben.
Personell musste Trainer Felix Hirschnagl vor der Partie einige Lücken stopfen. Torhüter Aaron Held sowie die Feldspieler Tim Degener und Fadi Zarqelain aus der U23 ergänzten den dezimierten U19-Kader. Neben mehreren Langzeitverletzten musste Felix Hirschnagl zudem auf Marwan Mirza (Sprunggelenk), Lenni Strößner (muskuläre Probleme) und Luis Alaze (Erkältung) verzichten, auch Abwehrchef Jan-Luca Riedl fehlte angeschlagen. Sein U19-Debüt feierte dafür Innenverteidiger Giorgos Zisopoulos aus der U17. Bjarki Gardarsson selbst kehrte nach einer längeren Krankheitspause gerade rechtzeitig ins Angriffszentrum zurück.
Nach der unglücklichen 2:3-Auftaktniederlage gegen den FC Villarreal standen die jungen Borussen in Norwegen unter gewissem Erfolgsdruck. Die Anfangsphase verlief entsprechend verhalten, ehe sich die Dortmunder mit einem Doppelschlag entscheidend absetzten: Bjarki Gardarsson schloss in der 28. Minute eine sehenswerte Kombination eiskalt zum 1:0 ab, ehe Justin Hoy nur acht Minuten später per Elfmeter nachlegte, nachdem Fadi Zarqelain im Strafraum gefoult worden war. Kurz vor der Pause verhinderte Bodøs Torhüter Andersen mit einer starken Parade gegen Bjarki Gardarsson sogar noch den höheren Pausenrückstand für die Gastgeber.
Nach dem Seitenwechsel ließen sich die jungen Borussen trotz mehrerer Wechsel nicht mehr aus dem Konzept bringen. Bjarki Gardarsson erhöhte nach feinem Zuspiel von Fadi Zarqelain auf 3:0 und sorgte damit praktisch für die Vorentscheidung. Tim Degener nutzte in der 79. Minute ein Zuspiel von Till Burkhardt zum 4:0, ehe Luke Fahrenhorst in der Schlussminute per Handelfmeter den 5:0-Endstand besorgte.
Trainer Felix Hirschnagl zeigte sich nach der Partie im Gespräch mit dem BVB sichtlich zufrieden mit seiner Mannschaft: „Glückwunsch an die Jungs.“ Besonders die Spielkontrolle seines Teams lobte er dabei ausdrücklich: „Wir hatten super viel Kontrolle, waren richtig griffig und haben einen Schritt nach vorn gemacht.“ Ganz ohne Kritik kam seine Analyse aber nicht aus: „Ich spüre allerdings immer noch einen Spannungsabfall während der 90 Minuten.“ Unterm Strich zog er dennoch ein positives Fazit: „Aber insgesamt war es eine sehr ordentliche Leistung.“
Dass Bjarki Gardarsson seit seinem Wechsel nach Dortmund praktisch im Dauerjubel steht, ist dabei kein Zufall. Im vergangenen Sommer war der Isländer vom Klub Stjarnen zum BVB in die U19 gewechselt – sein Einstand in Deutschland hätte kaum besser verlaufen können. Schon bei seinem Pflichtspieldebüt im DFB-Pokal der Junioren gegen Holstein Kiel erzielte er trotz der 3:4-Niederlage alle drei Tore für den BVB-Nachwuchs im Alleingang. Nur eine Woche später legte er beim 4:2-Erfolg gegen die Jugend von RW Oberhausen gleich den nächsten Dreierpack nach – und das in rasender Geschwindigkeit: Auf sein erstes Tor in der achten Minute folgten der Doppelpack nach einer Viertelstunde und der komplette Hattrick nach nur 19 gespielten Minuten.
Hat der BVB seinen neuen Erling Haaland gefunden?
Diese ausgeprägte Torgefahr erinnerte früh an einen anderen prominenten Dortmunder: Erling Haaland. Entsprechend schnell bekam Bjarki Gardarsson den Beinamen „neuer Erling Haaland“ verpasst. Auch international setzte der Isländer seine Serie zuletzt nahtlos fort. Mit der U17 Islands erzielte er beim 3:1-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina einen Doppelpack, ehe er wenige Tage später beim knappen 3:2-Erfolg gegen Griechenland erneut traf – macht drei Tore in nur zwei Länderspielen.
Mittlerweile bringt es Bjarki Gardarsson auf sieben Spiele für die U19 des BVB, bei denen ihm bereits acht Tore gelangen – eine beeindruckende Quote für den gerade einmal 16-Jährigen, der beim BVB noch einen langfristigen Vertrag bis 2029 besitzt. Als Stürmer verkörpert er damit genau jenen Spielertyp, den sich der Klub schon länger wieder stärker heranziehen möchte.

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte auch ein Profidebüt für Bjarki Gardarsson nicht mehr allzu fern sein. In der vergangenen Saison hatte Trainer Niko Kovač bereits Luca Reggiani, Samuele Inacio und Mathis Albert ihre ersten Einsätze im Profibereich geschenkt. Hält Bjarki Gardarsson seine aktuelle Trefferquote, erscheint ein Bundesliga-Debüt zum Saisonende nicht gänzlich ausgeschlossen, spätestens in der kommenden Spielzeit dürfte es dann aber ohnehin so weit sein – auch um zu verhindern, dass das Mega-Talent vorher von anderen Klubs abgeworben wird.
Zunächst wartet auf die U19 der Schwarz-Gelben aber ein straffes Programm. Bereits am kommenden Samstag, den 17. Oktober, beginnt mit dem Heimspiel gegen RW Oberhausen die Rückrunde in der DFB-Nachwuchsliga. In der UEFA Youth League geht es dann am Dienstag, den 20. Oktober, auswärts in Baku gegen Sabah FK weiter, ehe das Derby beim FC Schalke 04 am 25. Oktober den Abschluss einer englischen Woche bildet. Angesichts seiner bisherigen Form dürfte Bjarki Gardarsson dabei auch in den kommenden Partien zu den gefährlichsten Spielern auf dem Platz zählen – ganz gleich, gegen welchen Gegner es geht.
